Wissen

Wissenschaftsjahr 2017: Mondproben, Stammzellen und Extra-Sekunde

Das Wissenschaftsjahr 2017 bringt ein Stück Mond zur Erde: China will mit einer unbemannten Mission erstmals seit 40 Jahren wieder Proben vom Erdtrabanten holen.

Das Wissenschaftsjahr 2017 bringt ein Stück Mond zur Erde. SN/dpa
Das Wissenschaftsjahr 2017 bringt ein Stück Mond zur Erde.

Auch das erste private Mondfahrzeug könnte Ende kommenden Jahres eine Runde am Mond drehen. In Wien tut sich einiges in der Life Science-Szene, Personalia stehen in der Akademie der Wissenschaften und dem "Haus der Geschichte" an.

Nachdem China ab 2013 mit dem Mondfahrzeug "Jadehase" 31 Monate lang die Mondoberfläche erkundet hat, will das Land in der zweiten Jahreshälfte 2017 die robotische Mission "Chang'e 5" zum Erdtrabanten starten. Geplant ist die Landung am Mond, das Einsammeln von Gesteinsproben und deren Rücktransport zur Erde - erstmals seit 1976, als die letzte russische Rückkehrsonde "Luna 24" Mondgestein zur Erde brachte.

Ende 2017 könnte auch das erste private Fahrzeug auf dem Mond fahren: Im Zuge des mit 30 Millionen Dollar dotierten Wettbewerbs "Google Lunar X-Price" hat das Berliner Unternehmen PTScientists einen entsprechenden Start-Vertrag mit der US-Firma Spaceflight unterzeichnet, das Startfenster reicht allerdings bis weit ins Jahr 2018 hinein. Wenn alles klappt, will das etwa zur Hälfte aus Österreichern bestehende Team seinen Mondrover zum Landeplatz der Apollo 17-Mission aus 1972 fahren lassen.

Nichts wird dagegen aus der für 2017 geplanten Rückkehr der USA zur bemannten Raumfahrt. Seit die US-Shuttles 2011 eingemottet wurden, ist die NASA beim Transport von Astronauten ja auf russische Sojus-Kapseln angewiesen. Die Aufgabe wurde ausgelagert und die US-Firmen Boeing und SpaceX mit der Entwicklung neuer Raumtransporter beauftragt. Doch die für 2017 geplanten ersten bemannten Flüge der Frachter CST-100 Starliner (Boeing) und Dragon V2 (SpaceX) wurden auf 2018 verschoben. Auch die neue NASA-Raumkapsel Orion, die nach ursprünglichen Plänen 2017 unbemannt um den Mond und wieder zurück fliegen sollte, wird diese Reise frühestens 2018 antreten.

Wie geplant wird dagegen die europäische Mission "Cassini" mehr als zwölf Jahre nach ihrer Ankunft am Saturn 2017 ihr geplantes Ende finden: Am 15. September soll die Raumsonde auf den Saturn stürzen und in den letzten Wochen und Monaten noch Daten und Bilder vom inneren Ringsystem des Gasriesen Saturn liefern.

Im August ist der Start des chinesischen Seismo-Electromagnetic Satellite (CSES) geplant, für den das Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein Magnetometer beigesteuert hat. Mit dem Satelliten sollen natürliche elektromagnetische Phänomene untersucht werden, die im Zusammenhang mit Erdbeben auf der Erde stehen können.

Das neue Jahr beginnt gleich mit einem wissenschaftlichen Ereignis, wenn auch einem sehr kurzen: Am 1. Jänner 2017 wird um 2.00 Uhr MEZ eine zusätzliche Sekunde zur Weltzeit hinzugefügt, um die Unregelmäßigkeit der Erdrotation zu kompensieren, übrigens nur eineinhalb Jahre nach der letzten Schaltsekunde.

Einiges los ist 2017 im heimischen Life Science-Bereich: Das neue Gebäude des Forschungsinstituts für molekulare Pathologie (IMP) am Vienna Biocenter (VBC) in Wien-Landstraße wird im März offiziell eröffnet, im Oktober folgt eine wissenschaftliche Eröffnungskonferenz unter Beteiligung zahlreicher ehemaliger IMP-Forscher. IMP-Hauptsponsor Boehringer Ingelheim hat rund 50 Mio. Euro in das 15.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche umfassende Gebäude investiert.

Am benachbarten Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der ÖAW wird 2017 ein neues Stammzellforschungszentrum seinen Betrieb aufnehmen. Für den neuen Schwerpunkt des IMBA wurde bereits die Personalauswahl für die Gruppenleiter gestartet, künftig sollen zwei bis drei Gruppen auf diesem Gebiet forschen. Das Budget dafür, das im Vorjahr IMBA-Chef Josef Penninger zugesagt wurde, damit er nicht nach Deutschland wechselt, beträgt 27 Mio. Euro bis 2020. Vom Bund kommen 15 Mio. Euro, der Rest von der Stadt Wien und dem IMBA selbst.

In der kürzlich vorgestellten "Life Science-Strategie" des Wissenschaftsministeriums ist für das kommende Jahr zudem die Gründung eines "Translational Research Center" vorgesehen, um Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung zu verwerten. Apropos Strategie: Im Frühjahr 2017 will das Infrastrukturministerium die "Energieforschungsstrategie 2050" veröffentlichen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 25.09.2018 um 03:04 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/wissenschaftsjahr-2017-mondproben-stammzellen-und-extra-sekunde-583285

Schlagzeilen