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Woher kommt der ganze Staub?

Frühjahrsputz schon gemacht? Sollte er von wissenschaftlichem Erkenntnisdrang begleitet sein, ist hier nachzulesen, was genau Hausstaub ist. Danach gilt: Nicht entmutigen lassen.

Wahrscheinlich sind Putzutensilien so schön bunt, damit der ewige Kampf gegen den Staub nie aufgegeben wird.  SN/Alexander Raths - stock.adobe.com
Wahrscheinlich sind Putzutensilien so schön bunt, damit der ewige Kampf gegen den Staub nie aufgegeben wird.

Woher kommt bloß der ganze Staub im Haus? Das Elektronenmikroskop kennt die Antwort: Hausstaub ist nämlich nichts anderes als ein Sammelsurium aus winzig kleinen Teilchen und ein paar größeren natürlich, die wild durcheinandergewürfelt herumliegen, sich vermischen, stapeln und ineinander verhaken. Jedes dieser Teilchen hat seine ganz eigene Herkunft, so manches kommt sogar aus dem Weltall.

Die größten Dreckschleudern im Haus sind wir selbst: Etwa einhundert Haare fallen uns tagtäglich aus, jedem von uns, und die bleiben leider nicht alle im Kamm stecken. Das ist aber noch nicht alles: Auch Hautschuppen verlieren wir ständig. Da sich unsere Haut unaufhörlich regeneriert, rieseln die alten, abgestorbenen Hautschuppen einfach so auf den Fußboden hinunter oder auch auf die Polstermöbel und ins Bett, Stück für Stück. Immerhin ein bis zwei Gramm sind es jeden Tag.

Wieder anderen Staub tragen wir fleißig mit den Schuhen ins Haus. Erde, Steinchen, also Mineralstaub, aber auch der Abrieb von Autoreifen und Straßen sowie Bremsstaub, bröckeln, zu Hause angekommen, aus dem Profil der Sohlen heraus. Beim Schlurfen über den Teppich brechen winzige Stückchen der Fasern ab oder reißen gleich ganz heraus. Das Gleiche passiert beim Auf-dem-Sofa-Herumlümmeln oder auch einfach nur beim Ruhig-auf-dem-Stuhl-Sitzen. Ja, sogar beim An- und Ausziehen der Kleidung fusselt es gern einmal oder zumindest gehen dabei kleine Faserbruchstücke verlustig.

Ein Großteil des Hausstaubs fliegt aber auch einfach so beim Lüften durch das geöffnete Fenster herein. Blütenstaub und Pilzsporen sind dabei, sowie Ruß und Schwermetalle aus Industrie-, Flugzeug- und Autoabgasen. Aber auch allerlei Insekten und Spinnen kommen gern ins Haus. Noch weitere spannende Dinge weht es herein: Saharastaub etwa, Salzkristalle aus der Gischt der Ozeane oder auch Ruß von Vulkanausbrüchen. All das verteilt sich in der Troposphäre in mehreren Kilometern Höhe um die ganze Welt. Ja sogar abstürzende Meteoriten, Atomexplosionen und Sonnenwinde können ihre Spuren im Hausstaub hinterlassen.

Manches im Hausstaub ist lebendig: Hausstaubmilben, Staubläuse, Viren, Bakterien und Schimmelpilzsporen zum Beispiel. Gewisse Mengen davon schwirren in jedem Haushalt umher, ohne Schaden anzurichten. Solange all das nicht überhandnimmt und keine Allergie vorliegt, ist das auch nicht weiter schlimm.

Gefährlicher sind da auf Dauer schon die Rückstände mancher Baustoffe, Einrichtungsgegenstände und Putzmittel, Weichmacher, Flammschutzmittel, Pestizide und Insektizide sowie Schwermetalle, was sich durchaus in bedenklichen Mengen im Hausstaub finden lässt. Gefährlich deshalb, weil wir einen Teil des Hausstaubs auch einatmen. Zwar bleibt ein Großteil davon in den Nasenhaaren oder an den Mund-, Nasen- und Rachenschleimhäuten hängen oder wird sogar sofort wieder ausgeatmet, aber ein Teil davon geht eben auch ganz tief hinein in unsere Lungen. Fachleute unterscheiden den "Grobstaub" mit einer Partikelgröße von mehr als zehn Mikrometern von dem "inhalierbaren Feinstaub" mit einer Partikelgröße von weniger als zehn Mikrometern, dem "lungengängigen Feinstaub", mit einer Partikelgröße von weniger als 2,5 Mikrometern und die "ultrafeinen Partikel" mit einer Größe von weniger als 0,1 Mikrometern.

Ausgerechnet das Staubsaugen wirbelt die Partikel, die auf dem Boden liegen, erst so richtig auf und verteilt sie in der Luft, da die verwendeten Filter oft viel zu grobmaschig für die allerkleinsten und winzigsten Teilchen sind. So benötigt ein Staubteilchen, das einen Tausendstelmillimeter klein ist, eine ganze Stunde, um in unbewegter Luft 30 Zentimeter tiefer gen Boden zu fallen. Noch kleinere Partikel brauchen für die gleiche Strecke mehrere Stunden, sie stehen also praktisch in der Luft, könnte man sagen. Und genau diese Luft atmen wir ein.

Glücklicherweise gibt es aber auch ein paar Gegenmittel, um die Staubbelastung der Luft möglichst gering zu halten. Feuchtes Wischen gehört ebenso dazu wie Staubsaugersysteme, die mit Feuchtigkeit, speziellen Feinstaubfiltern oder Zyklontechnologie arbeiten. Erst unter dem Mikroskop offenbart jedes einzelne dieser Staubpartikel übrigens seine ganze Schönheit - wenn man das beim Hausstaub einmal so sagen darf.

Quelle: SN

Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:54 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/woher-kommt-der-ganze-staub-69269026

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