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Zuckerfalle lauert schon am Frühstückstisch

In Österreich sind teils schon 40 Prozent der Kinder übergewichtig. Salzburg will nun gegensteuern.

Insbesondere sogenannte Knuspermüslis erhalten oft sehr viel Zucker und Fett, wie nun ein Produkttest ergeben hat.  SN/blende11.photo - stock.adobe.com
Insbesondere sogenannte Knuspermüslis erhalten oft sehr viel Zucker und Fett, wie nun ein Produkttest ergeben hat.

Praktisch jedes zweite Müsli ist zu süß und zu fettig. Mit dieser Erkenntnis ließ diese Woche SIPCAN aufhorchen. Die Vorsorge-Initiative hat 283 Produkte getestet und in etlichen viel zu viel Zucker gefunden, teils auch zu viel Fett. "Viele Müslis, Schokoflakes & Co. sind enorme Zuckerfallen", warnen die Experten und raten zu bewusster Auswahl. Früchtemüslis und Porridges schnitten am besten ab, Knuspermüslis am schlechtesten.

In Anlehnung an die Weltgesundheitsorganisation WHO und die Referenzwerte für die tägliche Zufuhr von Energie und Nährstoffen der Fachgesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz legten die Fachleute drei Kriterien fest: maximal 20 Gramm Zucker pro 100 Gramm Produkt (inklusive natürlich enthaltenem Zucker), maximal 20 Gramm Fett pro 100 Gramm und keine Süßstoffe bzw. Zuckeraustauschstoffe. Diese Vorgaben habe nur rund jedes zweite Produkt (53,7 Prozent) erreicht. Am schlechtesten fielen die Ergebnisse für Knuspermüslis aus: Nur jedes dritte Produkt (37,5 Prozent) blieb innerhalb der Kriterien.

Dazu passt eine Initiative, die zeitgleich in Salzburg vorgestellt wurde: Mit dem Projekt "easykids - gesund aufwachsen" soll Übergewicht bei Kindern bekämpft werden. Die von AVOS, der Salzburg-Filiale der ÖGK und dem Land Salzburg getragene Initiative wartete ebenfalls mit alarmierenden Zahlen auf: In Salzburg ist rund ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 14 Jahren übergewichtig. In absoluten Zahlen sind das 20.000 junge Salzburger. In Ostösterreich sind sogar bis zu 40 Prozent der Kinder betroffen. Laut einer Untersuchung der Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde im LKH Salzburg sind derzeit rund 8000 Kinder und Jugendliche adipös, davon zirka 2000 extrem adipös und zum Teil in stationärer Behandlung. AVOS-Präsident und Kinderarzt Holger Förster: "Statistiken zeigen zudem, dass 60 Prozent der Vierjährigen mit Übergewicht später auch als Erwachsene übergewichtig bleiben - mit chronischen Folgeerkrankungen wie Diabetes, Fettleber oder Bluthochdruck." Außerdem habe sich die Lage durch Corona verschärft, hieß es.

Beim fünf Jahre laufenden Projekt "easykids" werden ab sofort 200 Kinder pro Jahr samt ihren Eltern gratis betreut: Jede Woche außerhalb der Ferien ist ein Kurs angesetzt - abwechselnd Bewegungs-, Ernährungs- und psychosoziale Einheiten, um eine Verhaltensänderung zu erreichen. Finanziert werden die vier Millionen Euro für "easykids" von der ÖGK - aus jenen 177 Mill. Euro Rücklagen, die durch die Kassenfusion nach Wien gewandert seien, sagt ÖGK-Obmann Andreas Huss.

Aufgerufen am 18.08.2022 um 12:07 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/zuckerfalle-lauert-schon-am-fruehstueckstisch-110464390

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