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Zum Valentinstag: Gleich und Gleich gesellt sich gern

Manche langjährigen Lebenspartner ähneln einander so sehr, dass man sie für Geschwister halten könnte. Auch Bakterienarten und Herzfrequenz stimmen überein. Was ist ihr Geheimnis?

Wenn es um den perfekten Partnerlook geht, kommt es also wohl vor allem auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale an. SN/adobestock/302643137
Wenn es um den perfekten Partnerlook geht, kommt es also wohl vor allem auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale an.

Manche Paare ähneln einander nicht nur optisch so sehr, dass man sie für Geschwister halten könnte. Einige von ihnen gleichen einander sogar bis aufs Haar, oder besser gesagt: bis auf die Mikrobe, könnte man sagen.

Das hat der Mikrobiologe Remco Kort von der Freien Universität Amsterdam mit seinem Team herausgefunden. Paare, die einander mindestens neun Mal am Tag intensiv küssen, übertragen den niederländischen Studien zufolge mit jedem einzelnen Kuss von zehn Sekunden Dauer nicht nur 80 Millionen Bakterien (was normal ist), sondern sorgen so auch zum Teil dafür, dass sich die Mundflora der beiden Partner angleicht. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass einige dieser Bakterien, die sich die Partner teilen, nur vorübergehend bleiben", so resümiert Kort seine Studien. "Andere hingegen finden eine echte Nische auf der Zungenoberfläche, die es ihnen erlaubt, sich dauerhaft anzusiedeln."

Herzschlag und Atemfrequenz sind synchron

Damit nicht genug: Nicht nur die Mundflora kann sich bei Paaren angleichen, sogar die Herzfrequenz und die Atmung können übereinstimmen. Die Psychologen Jonathan Helm und Emilio Ferrer von der Universität von Kalifornien in Davis, USA, setzten die jeweiligen Partner aus 32 unterschiedlichen Beziehungen so an einen Tisch, dass sie einander exakt gegenüber saßen. Ihre Aufgabe bestand nun darin, den eigenen Partner so sehr zu imitieren, wie es nur geht - aber ohne dabei zu sprechen. Das erstaunliche Ergebnis: Einigen Versuchspersonen gelang es sogar die Atemfrequenz und den Herzschlag mit dem Partner zu synchronisieren. Allerdings schnitten Frauen dabei besser ab als Männer. "Ich denke, es könnte an einer größeren Empathiefähigkeit der Frauen liegen", meint Psychologe Helm. Nun sind Herzschlag und Mikroben ja gewissermaßen innere Werte, könnte man sagen, aber wie sieht es mit reinen Äußerlichkeiten aus? Kann es sein, dass sich zwei Lebenspartner mit der Zeit auch optisch immer mehr angleichen? Eine gewisse physische Ähnlichkeit ist bei einigen langjährigen Paaren schließlich nicht von der Hand zu weisen.

Der US-amerikanische Sozialpsychologe Robert Zajonc ging dieser Frage schon vor mehr als dreißig Jahren an der Universität von Michigan nach. Er legte seinen 110 Versuchsteilnehmern Fotos von Menschen vor, die miteinander verheiratet waren. Die Bilder zeigten jeden Ehepartner einzeln und zwar einmal zum Zeitpunkt der Hochzeit und dann noch einmal nach 25 Jahren Ehe. Die Versuchspersonen sollten nun die jeweiligen Ehepartner herausfinden und einander zuordnen - und zwar ausschließlich aufgrund der physischen Ähnlichkeit. Das spannende Ergebnis: Die optischen Gemeinsamkeiten der Ehepartner hatten nach 25 Jahren sichtbar zugenommen. Zajonc erklärte sich die Ergebnisse seiner Studie damit, dass das Zusammenleben und die gleiche Lebensweise über so einen langen Zeitraum hinweg Spuren im Gesicht der Menschen hinterlasse und sie so im wahrsten Sinne des Wortes von der Ehe gezeichnet wären.

Langjährige Partner lachen über dasselbe

Da die Partner viele Jahre lang über die selben Dinge lachten, weinten, sich ärgerten oder wunderten, beanspruchten sie die gleichen Gesichtsmuskeln in ähnlicher Häufigkeit sowie Art und Weise, was auf Dauer dazu führen würde, dass sich ihre Gesichtszüge angleichten. Seit Zajonc seine Studie Ende der 1980er Jahre veröffentlichte, sind mehr als 30 Jahre vergangen, und seitdem hat eine ganze Reihe von anderen Wissenschaftern eigene Nachforschungen angestellt. Viele von ihnen stimmen mit Zajonc dahingehend überein, dass langjährige Partner einander in der Tat häufig ähneln, psychisch, aber auch physisch.

In Bezug auf die Persönlichkeitsmerkmale stellt sich den Wissenschaftern allerdings die Frage: Werden sich die Lebenspartner wirklich im Laufe der Zeit immer ähnlicher oder waren sie sich auch schon ähnlich, als sie sich zum ersten Mal getroffen und zusammengefunden haben? Viele Forscher wie Mikhila Humbad von der Michigan-State-Universität und sein Team, die die Daten von 1296 Ehepaaren auswerteten, haben keinen Zusammenhang zwischen der Länge der Partnerschaft und der Ähnlichkeit der Charaktere finden können. Den Forschern zufolge waren Partnerschaften immer dann über längere Zeit stabil, wenn beide Partner in wirklich wichtigen Punkten von vornherein ähnlich waren, etwa wenn sie die gleichen Werte teilten, ähnliche Interessen hatten, aber auch das Bildungsniveau stimmte.

Wenn es um den perfekten Partnerlook geht, kommt es also wohl vor allem auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale an. Das haben verschiedene Studien gezeigt. Beatrice Rammstedt vom Gesis-Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim kommt in ihrer Untersuchung, in der sie mit ihrem Team 7000 Paare näher erforscht hat, zu dem Fazit: "Je übereinstimmender die Paare in dem Persönlichkeitsmerkmal der Offenheit waren, umso stabiler war ihre Partnerschaft." Die "Offenheit" ist in der Psychologie als Charaktermerkmal durch Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Neugier, Kreativität und Fantasie gekennzeichnet. Gleich und Gleich gesellt sich also doch gern, was schon der Volksmund seit jeher behauptet.

Aufgerufen am 27.11.2021 um 09:08 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/zum-valentinstag-gleich-und-gleich-gesellt-sich-gern-83214448

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