40 Jahre lang nichts gelernt

Es ist nicht nur die Schuld der Politik, die es verschlafen hat, erneuerbare Energien zu forcieren. Es ist auch die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Alfred Pfeiffenberger

Der Winter naht. Da die EU dem russischen Präsidenten Wladimir Putin das Schüren des Ukraine-Konflikts nicht durchgehen lassen will, droht dieser unverhohlen, den Europäern den Gashahn zuzudrehen. Die Folgen wären fatal. Die EU kann auf die russischen Gasimporte nicht verzichten. Ein Notfallplan, den die Europäische Union ausgearbeitet hat, zeigt, dass Europa nur wenige Monate ohne russisches Gas durchkommen würde, ohne dass Menschen in ihren Wohnungen frieren und Industriebetriebe ihre Produktion einstellen müssten.

Es ist allerdings nichts Neues, dass Europa und damit Österreich erpressbar sind, wenn es um das Thema Energie geht. Bereits im Jahr 1973 drehten die arabischen Staaten Europa und den USA den Ölhahn zu, weil sie Israel im Jom-Kippur-Krieg gegen Ägypten und Syrien unterstützten. Daraufhin musste jeder einen Tag in der Woche sein Auto stehen lassen und den Schulen wurden einwöchige Energieferien verordnet.

Seit damals wird diskutiert, dass die europäischen Staaten unabhängig von Energieimporten werden sollten, damit sie von Ländern, die es mit Demokratie und Menschenrechten nicht ernst nehmen, nicht unter Druck gesetzt werden können. Der Weg dahin ist ebenfalls klar: der sorgsame Umgang mit Energie und der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die Bilanz ist ernüchternd. Öl und Gas, die zudem für den Klimawandel mitverantwortlich sind, zählen immer noch zu den wichtigsten Energieträgern. Knapp 60 Prozent der Energie, die in Österreich verbraucht wird, stammt aus Öl und Gas.

Es ist nicht nur die Schuld der Politik, die es verschlafen hat, den Ausbau der erneuerbaren Energie zu forcieren. Es ist auch die Verantwortung jedes einzelnen Bürgers, der sorglos mit Energie umgeht, der jeden Meter mit dem Auto fährt oder seine Kaffeemaschine 24 Stunden lang auf Stand-by laufen lässt.

Und darum zittern wir auch 40 Jahre nach dem ersten Ölschock immer noch, wenn irgendein Diktator droht, den Gas- und Ölhahn zuzudrehen.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:50 auf https://www.sn.at/politik/40-jahre-lang-nichts-gelernt-3088369

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