596 Tage süchtig nach Politik

Die letzten Tage im US-Wahlkampf versprechen die schmutzigsten in der Schlammschlacht zwischen Hillary Clinton und Donald Trump zu werden. Das Land ist gespalten. Nicht zuletzt durch Wahlfieber und Wahlverdrossenheit

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
596 Tage süchtig nach Politik SN/AP
Wenn Politik Begeisterungsstürme auslöst.

E-Mail-Affären, Geheimakten, Vorwürfe gegen das FBI, Präsidentschaftskandidaten, die im Umgang miteinander noch aggressiver agieren: Die letzten Tage im US-Wahlkampf haben es in sich. Das Land ist aber nicht nur wegen der polarisierenden Kandidaten gespalten. Eine tiefe Kluft tut sich auch zwischen Wahlfans und jenen auf, die genug vom Wahltrubel haben.

Bis zum Finale am 8. November wird der Wahlkampf laut USA Today 596 Tage gedauert haben. Er zählt damit zu den intensivsten im internationalen Vergleich. In Großbritannien sind es im Vergleich etwa 139 Tage, in Kanada 78 und in Japan - per Gesetz - zwölf. Als Startschuss für die Berechnung in den USA gilt der Moment, in dem der erste Kandidat ins Rennen um das Weiße Haus geht.

Den Werbespots der Demokraten oder Republikanern in dieser Zeitspanne zu entkommen, war und ist ein Ding der Unmöglichkeit. Ob auf Großleinwänden bei Sportveranstaltungen, in TV-Spots oder auf der Straße - überall lauern politische Botschaften.


Politische Meldungen auf Facebook werden blockiert

Abhilfe für all jene, die davon genug haben, versprechen mittlerweile eigene Web-Features, die Wahlkampf-Neuigkeiten blockieren sollen. Eine heißt "Remove all Politics from Facebook" und verhindert politische Meldungen, die auf dem sozialen Medien-Account auftauchen könnten. Eine andere trägt den Namen "Social Filter" Laut ihrem Entwickler ist sie unter seinen 300.000 Usern die mit Abstand beliebteste.

Das ist die eine Seite, die andere zeigt ein Polit-Fieber das in Amerika um sich greift, eine regelrechte Sucht nach politischen Nachrichten. Die renommierte "Washington Post" stellte in dieser Woche die Frage: "Ist Amerika süchtig nach dieser Wahl?" Berichtet wird von Menschen, die es nicht ertragen können, wenn sie das noch so kleinste Detail, die neuste Wende im Wahlkampf versäumen. Eine davon ist Mary Louise O`Brien. In einem Interview mit der "Post" berichtet die 69-Jährige davon, dass sie ständig die Wahlprognose-Seite "FiveThirtyEight" unter Beobachtung hat. "Denn Nate Silver updatet alle drei Minuten die Ergebnisse."


Die Erklärung für dieses Verhalten? Für die Betroffenen sei es so, als ob sie durch ihre ständige Involviertheit einen gewissen Grad an Kontrolle erlangen könnten.

Für beide Seiten gilt eines: In fünf Tagen ist der Wahlkampf vorbei. Dann sind es andere Gräben, die dieses Land zu überwinden hat.

Der Countdown läuft: noch fünf Tage bis zur Wahl.

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