Amerika sorgt sich um seine Männer

Vor der Wahl ist nach der Wahl. Das wissen auch amerikanische Medien. Besonders zwei Themen haben diese Woche bestimmt. Ein sonntäglicher Rückblick, der auch als Vorschau auf das gesehen werden kann, was kommt.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Amerika sorgt sich um seine Männer SN/APA (Symbolbild)/Jan-Philipp Str
Kommt es am Wahltag wirklich zu gewalttätigen Übergriffen?

Die Titelseite von "USA Today" hat nachhaltig zu Diskussionsbedarf geführt. Laut einer Umfrage der Zeitung von Donnerstag sorgt sich jeder zweite Wähler in den USA vor Gewalt am Tag der Präsidentenwahl. 51 Prozent zeigten sich demnach besorgt, jeder Fünfte sogar sehr. Drei Viertel der Befragten glaubten an eine friedliche Übergabe der Macht nach dem 8. November, aber richtig überzeugt davon waren nur 40 Prozent.

Wie es nach dem Wahltag in den USA weiter geht, scheint vor allem für den männlichen Anteil der Amerikaner von großer Bedeutung zu sein. Laut der Deutschen Presseagentur waren die Zeiten für das männliche Geschlecht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon einmal besser. Mehr als 20 Prozent der Männer im Alter zwischen 20 und 65 Jahren hatten 2015 keine Arbeit. Das sind etwa 20 Millionen Menschen, mehr als in den gesamten Niederlanden oder in ganz Chile. Weitere 20 Millionen Männer sind wegen einer Straftat registriert. Sie haben nur noch düstere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Von den rund zwei Millionen in Gefängnissen sind knapp 1,8 Millionen Männer. Männer stellen nur 42 Prozent der Collegeabsolventen - auf einem Arbeitsmarkt. Gut bezahlte Jobs, für die man keinen höheren Abschluss braucht, nehmen seit Jahren ab. Der technische Fortschritt vergrößert dieses Problem, etwa durch eine Zukunft mit selbstfahrenden Lastwagen. Im Land der riesigen Distanzen ist der Trucker aber für viele Männer eine der letzten Job-Möglichkeiten.

Nicholas N. Eberstadt hat für den Thinktank American Enterprise Institute dazu die umfassende Studie "Men without work" gemacht, Männer ohne Arbeit. Sieben Millionen Männer zwischen 25 und 55 haben die Suche nach Arbeit ganz aufgegeben, darunter doppelt so viele Schwarze wie Weiße. Die Folgen, macht Eberstadt klar, ragen über den Arbeitsmarkt weit hinaus. Diese Männer schauen im Schnitt jeden Tag fünfeinhalb Stunden Fernsehen, kümmern sich weder um Kinder noch Haushalt und ein Drittel konsumiert Drogen.

Der Countdown läuft: noch neun Tage bis zur Wahl.

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