Angela Merkel soll der Fels in der Brandung sein

Angela Merkel steht, sofern sie zum vierten Mal Kanzlerin wird, vor ihrer schwierigsten Amtszeit; sie muss kämpfen.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Helmut L. Müller

Enorm sind international die Erwartungen, die sich an diese Politikerin richten. Aber im eigenen Land hat sie eine schmalere Machtbasis als bisher. Unter diesen Vorzeichen strebt Angela Merkel 2017 ihre vierte Kanzlerschaft in Deutschland an.

Auf europäischer Ebene ist Merkel die politische Konstante, die unentbehrlich erscheint. Denn die Position des politischen Führungspersonals in anderen Staaten wankt. In Italien steht Ministerpräsident Matteo Renzi vor einem heiklen Verfassungsreferendum, mit dessen Ausgang er seine politische Zukunft verknüpft. In Großbritannien kommt Premierministerin Theresa May unter Druck, weil sie dem Parlament einen Plan für den Brexit vorlegen soll. In Frankreich hat Staatschef François Hollande kaum Chancen, wenn er 2017 wieder antritt.

Nach der Wahl des erratisch und unberechenbar wirkenden Kandidaten Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA wird Merkel in der internationalen Politik eine noch größere Rolle zugeschrieben - als Bollwerk gegen die Populisten und als Bannerträgerin der westlichen Werte.

Mit ihrer Entscheidung für eine weitere Kanzlerkandidatur zeigt sich Angela Merkel offensichtlich entschlossen, diese Rolle auszufüllen. Sie ist eine Frau mit eisernen Nerven, die nicht von Bord gehen will, wenn es in stürmischen Zeiten politisch schwierig wird. Man sieht hier eine Politikerin mit Verantwortungsbewusstsein. Aber die deutsche Regierungschefin muss dabei einrechnen, dass sie zu Hause an Vertrauen verloren hat.

Jahrelang hat sie für die CDU Wahlsiege garantiert, indem sie die Partei konsequent modernisierte und in die Mitte rückte. Diese Erfolgssträhne ist gerissen, wie die Schlappen bei den jüngsten Landtagswahlen zeigen. Die Popularität der Kanzlerin ist gesunken - vor allem wegen ihrer Flüchtlingspolitik. Auch die Umfragewerte der Christ demokraten sind abgerutscht. Auf Kosten der Union ist die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) stärker geworden.

In ihrer Partei hat Merkel keine Rebellion zu befürchten. Es gibt zur Kanzlerin kaum eine Alternative. Nach Merkel kommt bei der CDU vorerst: die Wüste. Die Partei ist, weil sie zum bloßen Kanzlerwahlverein wurde, personell wie programmatisch ausgelaugt. Um den Zulauf zur AfD zu bremsen und die CDU zu neuer Stärke zu führen, muss die "visionsferne" Merkel den Bürgern darlegen, was ihr politischer Plan für die Zukunft des Landes ist.

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