"Beten, dass Trump nicht Präsident wird"

Dreiviertel aller Österreicher würden morgen Hillary Clinton zur ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika wählen. Doch wie erleben Österreicher in den USA das Rennen ums Weiße Haus mit?

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
"Beten, dass Trump nicht Präsident wird" SN/AP
Die Wahlkampfschlacht ist geschlagen: Morgen wählt Amerika.

Wenn Barbara und Andreas aus dem Fenster in die Gärten ihrer Nachbarn blicken, sehen sie Schilder mit Aufschriften wie: "Wählt Trump!" oder "Er macht Amerika wieder groß." Seit vier Jahren leben die gebürtigen Österreicher in Florida - genauer gesagt, im Südwesten des Sonnenschein-Bundesstaates.

Einer Hochburg für Trump-Wähler. "Die Stimmung ist sehr angespannt. Es ist schockierend, was diese Wahl mit den Menschen angerichtet hat. Sie beeinflusst Beziehungen von Freunden und ganzen Familien", erzählt Andreas. Gemeint sind republikanische und demokratische Wähler, die wegen ihrer unterschiedlichen politischen Auffassungen nicht mehr miteinander sprechen. "Menschen, die ich bisher als reflektiert erlebt habe und respektiere, legen plötzlich einen ungeahnten Rassismus an den Tag, der sprachlos macht", fügt Barbara hinzu.

Die 44-Jährige und ihr 49-jähriger Ehemann dürfen am 8. November nicht wählen. Ihre Stimme würden sie der Demokratin Hillary Clinton geben. "Wenn wir wählen dürften, wäre es eine Verhinderungswahl. Unsere Stimme für Hillary, um Trump zu verhindern", erklärt Barbara.

"Ja", zu Hillary Clinton - aus welchen Gründen auch immer - würden auch mehr als Dreiviertel aller Österreicher sagen. Das zeigt eine in 45 Ländern durchgeführte Umfrage von Gallup International. Die größten Zustimmungswerte erhielt Clinton demnach in Finnland mit 86 Prozent, gefolgt von Portugal (85), Schweden und Südkorea (beide 82). Auf dem sechsten Platz folgt Österreich mit 78 Prozent. Ihren republikanischen Herausforderer würden hingegen nur neun Prozent der Befragten wählen.

Auch der gebürtige Steirer Peter, der in Boston arbeitet, spricht sich gegen Trump aus. "Er prangert alles an, redet alles schlecht. Doch wo sind die Lösungen? Ich könnte nie jemanden meine Stimme geben, der keine konkret ausgearbeiteten Vorschläge hat", sagt der 35-Jährige. Nachsatz: "Mit Trump machen sich die USA zur internationale Lachnummer. Einer gefährlichen allerdings."

Barbaras Grund für ein "Nein zu Trump" lässt sich so erklären. "Trump ist jemand, der mir Angst macht. Seine Einstellung zu Frauen, sein nicht vorhandenes Programm und er ist kein Mensch zu dem ich aufschauen kann. Er wäre mir peinlich als Präsident." Wer das Rennen um das Weiße Haus am Dienstag machen wird, traut sich das Ehepaar nicht einzuschätzen. "Bis vor kurzem hätte ich noch gesagt: Hillary, ganz klar. Aber die neu aufgerollte E-Mail-Affäre macht es schwer", sagt Andreas und seine Frau ergänzt: "Ich überlege zu beten, dass Trump nicht Präsident wird."

Bei einem Punkt sind sich die Auslands-Österreicher aber sicher. Ab dem 9. November, einen Tag nach der Wahl, wird Amerika ein anderes Land sein. Andreas: "Was mir Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass der Wahlkampf so polarisierend war und das Land gespalten hat. Es sind Gräben da, die wir vorher in Amerika in dieser Form nicht hatten." Ist eine Heilung möglich? "Sie ist wahrscheinlich. Die Amerikaner haben schon Schlimmeres überstanden. Aber es wird nicht einfach."

Der Countdown läuft: morgen wählt Amerika.

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