Das größere Problem ist Donald Trump

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Standpunkt Martin Stricker

Der amerikanische Präsident tut, was er immer getan hat:
Er droht jenen die Hölle an,
die nicht nach seiner Pfeife tanzen wollen. Er versucht, mit bombastischer Rhetorik einzuschüchtern, um dann den ganz großen Deal für sich zu landen. Zu Hause in den USA kamen noch die Gerichte als Kampfmittel dazu: Trumps Klagen sind Legion. Das hat manchmal funktioniert, öfter nicht. Konkurse pflastern seinen Weg.

Doch die Politik ist kein Geschäft. Eine Pleite kostet hier nicht nur Geld, sondern leicht auch den Frieden. Trumps Versuche, Nordkorea kurzerhand einzuschüchtern, haben ihn (und sein Land) in eine miserable Position gebracht. Weder zeigen sich die Nordkoreaner sonderlich beeindruckt, noch stehen den USA die angedrohten militärischen Optionen zur Verfügung, es sei denn, sie nehmen das Risiko einer Katastrophe in Kauf.

Die einzige Möglichkeit wäre ein Deal mit China: Den Herrschern in Peking ist das Regime von Kim Jong Un immer noch lieber als ein wiedervereinigtes Korea nach westlichem Muster, das US-Truppen direkt an Chinas Grenze rücken ließe. Fragt sich, welche Lösung für das Reich der Mitte akzeptierbar wäre, wie ein künftiges Korea aussehen müsste, welche Garantien Peking verlangen würde. Dazu aber braucht es Gespräche und Diplomatie, Klugheit und Wissen, Geduld und Geschick, kurzum: Politik.

Twitterstürme können sie nicht ersetzen.

Aufgerufen am 01.10.2020 um 04:35 auf https://www.sn.at/politik/das-groessere-problem-ist-donald-trump-17280133

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