Das Image einer Weltmacht steht auf dem Spiel

Wie sehr leidet das Ansehen der USA unter dem schmutzigsten Wahlkampf in der Geschichte des Landes? Ich habe mich bei führenden US-Meinungsforschern umgehört.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Das Image einer Weltmacht steht auf dem Spiel SN/afp
Donald Trump oder Hillary Clinton: Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen.

Ob im Taxi, im Supermarkt oder im Restaurant: Am Donnerstag gab es in Amerika nur ein Thema: Was war mit Donald Trump bei der dritten TV-Debatte los? Oder vielmehr: Was ist bloß mit diesem Wahlkampf los?

Auf der Suche nach Antworten treffe ich Carroll Doherty, einen Mann, der schon rein äußerlich das genaue Gegenteil von Trump ist. Grundentspannt sitzt der Direktor für Meinungsforschung im blau-karierten Hemd und mit Khaki Hosen in einem Besprechungszimmer des Pew Research Centers in Washington D.C. Hier werden Informationen, Meinungen und Trends ermittelt, die die Vereinigten Staaten und die Welt betreffen. Doherty und sein Team erforschen, salopp formuliert, das Image des Vereinigten Staaten von Amerika. Der Direktor ist selbst gerade erst von einer Vortragsreise aus Brüssel zurückgekehrt. "Alle schauen mich in Europa immer an und sagen: Das ist doch keine normale Wahl. Dann kommt der Nachsatz: Aus europäischer Sicht. Ich erwidere dann: Ja stimmt, und aus amerikanischer Sicht ist sie es auch nicht."

Die Umfragen, die Doherty und sein Team erstellen, erscheinen zur Verdeutlichung des Gesagten als farbenfrohe Statistiken auf der Leinwand vor mir. Sie belegen etwa, dass die Zufriedenheit der Wähler mit den beiden Präsidentschaftskandidaten so niedrig ist, wie nie zuvor; dass Wähler des Republikaners eine negative Weltansicht haben; oder welche Wählergruppen zu welchem Kandidaten tendieren.

Trump überstrahlt alles

Die Frage bleibt: Was unterscheidet die Wahl 2016 von früheren in Amerika? Laut Doherty sind es zwei Dinge. "Erstens, und darüber wird ausschließlich gesprochen: Donald Trump. Es gab noch nie einen Kandidaten für das Weiße Haus, der komplett ohne politische Erfahrung ins Rennen gegangen ist. Hinzu kommt, dass das Land politisch so sehr gespalten ist, wie nie zuvor." Doherty holt tief Luft, zupft an seinem karierten Hemd und sagt: "Kaum einer spricht über das historische Ereignis, das Amerika womöglich bevorsteht: Dass wir vielleicht erstmals eine Frau als Präsidentin haben könnten. Wir merken das in unseren Umfragen, das löst keine Aufregung aus. Wieso? Weil Trump alles überstrahlt."

Trump: ein Trickser, ein Egomane, ein Rüpel. Wie konnte es so jemand, so weit bringen? "Diese Frage werden sich Medien und Politikforscher noch für Jahre stellen. Aus meiner Sicht kann ich nur sagen, dass es ein enormes Bedürfnis nach Authentizität bei den Wählern gibt. Und Trump ist authentisch. Er sagt was er denkt. Das mag die einen beleidigen, den anderen aber gefällt es."

Auf der Leinwand vor mir erscheint die nächste Präsentation. Titel: Wie vertrauensvoll beurteilt Europa Barack Obama, Hillary Clinton und Donald Trump. Befragt wurden dafür Personen aus den zehn europäischen Ländern Schweden, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Griechenland, den Niederlanden, Italien und Polen und Ungarn. Bei Obama steigt das Balkendiagramm auf 77 Prozent, bei Clinton sind es 59 und bei Donald Trump - neun Prozent.

Wird Amerika noch unbeliebter als unter Bush?

Wie werden diese Länder erst reagieren, wenn Donald Trump am 8. November zum 45. Präsidenten der US gewählt wird? Die Vereinigten Staaten könnten sich mit einem Image-Problem ungeahnten Ausmaßes konfrontiert sehen. "Es hätte große Auswirkungen. Das Image Amerikas war unter George W. Bush auf dem niedrigsten Stand in Europa, damit würde es wohl noch weiter sinken", erzählt Richard Wike, Direktor für Globale Trends am Pew Research Center. Erst mit Barack Obama als Präsident verbesserte sich das Bild Amerikas in der Wahrnehmung Europas.

Bis zum Fall Edward Snowden, der die Überwachungstaktiken Amerikas ans Licht brachte. "Dabei stand der Respekt der Privatsphäre im Fokus und das hat in Ländern wie etwa Deutschland zu einem enormen Imageverlust geführt", erklärt Wike.

Doherty, Wike und das Pew-Team werden in den verbleibenden 18 Tagen bis zur Wahl noch viele Umfragen durchführen und Statistiken erstellen. Eine Frage bleibt bis dahin aber unbeantwortet: Wer wird am Ende das Rennen um das Weiße Haus machen? "Wir sind für Fakten verantwortlich, nicht für Vorhersagen", sagt Wike. Eine wohltuende Antwort im von Fakten losgelösten Wahlkampf 2016.

Der Countdown läuft: noch 18 Tage bis zur Wahl.

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