Das Leben erzählt eine Geschichte und lacht sich eins

Die Geschichte in Chemnitz lässt verstummen und manche darauf warten, dass das Leben wieder einfach wird und schwarz-weiß.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Gudrun Doringer

Zunächst bestätigen die Ereignisse in Chemnitz alle Vorurteile: Da kommt einer als Flüchtling nach Deutschland, baut eine Bombe, entwischt der Polizei, die "eh schon zu wenig tut, wenn es um Ausländer geht". Und dann - während viele noch Luft holen, um noch eins draufzusetzen - dann das: Wer das Schlimmste verhinderte und den Terrorverdächtigen Jaber A. am Ende festnahm, waren: drei Syrer.

Jetzt biegt die Geschichte ab und folgt nicht mehr dem Drehbuch, das manche schon zu Beginn der Flüchtlingsbewegung zu kennen glaubten. Sie lässt verstummen und manche vielleicht darauf warten, dass das Leben wieder einfach wird und schwarz-weiß. Im besten Fall aber lässt sie künftig unterscheiden: Zwischen Syrer und Syrer. Zwischen jenen, die sich der Terrormiliz "Islamischer Staat" anschließen und jenen, die genau davor weglaufen. Die letztere Gruppe ist die überwältigende Mehrheit. Mittlerweile sind etwa fünf Millionen Syrer auf der Flucht - hinzu kommen etwa acht Millionen innerhalb Syriens. Es ist richtig, alle eingereisten Flüchtlinge genau unter die Lupe zu nehmen. Sie aber wegen einer Minderheit alle unter Generalverdacht zu stellen, wäre verkehrt.

Da hat sich das Leben eine spannende Geschichte ausgedacht. Besser als jedes Drehbuch.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 11:41 auf https://www.sn.at/politik/das-leben-erzaehlt-eine-geschichte-und-lacht-sich-eins-984868

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