Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage

Welche Rolle der Mensch bei der Erderwärmung spielt, ist längst nicht mehr allein das Thema.

Autorenbild
Standpunkt Gerhard Schwischei

Nach dem Wirbelsturm "Harvey", der erst vor wenigen Tagen die Bevölkerung von Texas schwer getroffen hat, wütet derzeit "Irma" mit offenbar noch stärkerer Zerstörungskraft. Die Karibikinsel Barbuda wurde durch einen der bisher schwersten Stürme mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Stundenkilometern mehr oder weniger dem Erdboden gleichgemacht. In Florida, wo der Hurrikan zum Wochenende hin erwartet wird, macht man sich bereits auf das Schlimmste gefasst.

Gleichzeitig erleben Menschen in Südasien die schlimmsten Monsunregenfälle seit langer Zeit. Von der Öffentlichkeit viel weniger beobachtet, sind hier zuletzt mehr als 2000 Menschen durch verheerende Überflutungen gestorben.

Natürlich nehmen wir diese dramatischen Naturereignisse betroffen zur Kenntnis. Aber können wir danach einfach wieder, wie gewohnt, zur Tagesordnung übergehen? Nein. Sie sind vielmehr erneut Anlass, uns intensiver mit den Folgen des Klimawandels auseinanderzusetzen.

Wenn Politiker wie Donald Trump die globale Erwärmung und die Rolle des Menschen dabei leugnen, hilft das nicht weiter. Es hilft auch nicht, darauf hinzuweisen, dass es Klimaveränderungen immer wieder gegeben hat. Eine der schlimmsten haben zum Beispiel die Dinosaurier erlebt. Zum Glück sind wir derzeit nicht von mächtigen Asteroiden oder gewaltigen Vulkanausbrüchen bedroht. Unsere Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun, wären minimal.

Faktum ist: Die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid haben sich auf der Erde seit Mitte des 18. Jahrhunderts um 40 Prozent erhöht. Die Mehrheit der Klimaforscher ist überzeugt, dass dies wesentlich zur derzeitigen Erderwärmung beiträgt. Höhere Temperaturen, sowohl in der Luft als auch des Wassers, erhöhen den Energiegehalt in der Atmosphäre. Was nichts anderes heißt als: Wetterextreme müssen dadurch nicht zwangsläufig häufiger werden. Zweifelsfrei verstärkt das aber ihre Zerstörungskraft.

Der Klimawandel ist keine Glaubensfrage. Er findet auch für jene statt, die die Rolle des Menschen dabei nicht sehen wollen. Daher müssen wir uns abseits des großen Themas, wie es gelingen kann, die Emissionen von Treibhausgasen zu verringern, in Zukunft viel mehr als bisher mit der Frage auseinandersetzen: Wie rüsten wir uns, um mit den Folgen der Erderwärmung besser klarzukommen? Dass diese Folgen für viele Regionen der Welt gravierend sein werden, das wird immer schmerzhafter spürbar.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 10:26 auf https://www.sn.at/politik/der-klimawandel-ist-keine-glaubensfrage-17183692

Schlagzeilen