Der Mensch selbst sorgt für die Katastrophen

Hurrikans hat es immer gegeben. Wie vernichtend sie ausfallen, ist allerdings einzig die Sache der Menschen.

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Standpunkt Thomas Spang

Wenn es so etwas wie Karma gibt, hat Donald Trump mit seiner Entscheidung, das Pariser Klimaabkommen aufzukündigen, viel schlechtes davon erwischt.

Erst wütete Hurrikan "Harvey" in Texas und hinterließ mit Rekordüberschwemmungen Schäden riesigen Ausmaßes. Dabei dürfte niemand, der sich nur ein wenig im Südosten von Texas auskennt, von der Sintflut überrascht gewesen sein.

Die Lehmböden sind für ihre Undurchlässigkeit von Wasser bekannt. Verschärft wird die Situation durch die massive Versiegelung der Oberflächen im Großraum Houston, eine Konsequenz der Zersiedelung.

Die viertgrößte Stadt Amerikas ignorierte bis zuletzt den Ruf nach Bebauungsplänen und Richtlinien, die den Wildwuchs eingedämmt hätten.

Seit 1995 wuchs Houston um 25 Prozent auf mehr als 2,2 Millionen Einwohner. Ohne Regulierung schossen Häuser in Gebieten wie Pilze aus dem Boden, die als extrem flutgefährdet galten. Die Metropole erstreckt sich mittlerweile über 1700 Quadratkilometer.

Nun nimmt mit dem Sturm "Irma" der größte jemals beobachtete Hurrikan im Atlantik Florida ins Visier, weiter draußen im Atlantik braut sich schon "Jose" zusammen.

Der Klima-Blinde im Weißen Haus lernt daraus leider genauso wenig wie die Investoren in die Wolkenkratzer und Häuser, die in den Gefahrenzonen im Süden Floridas wachsen.

Experten warnen seit Langem vor den Konsequenzen für Küstenstädte wie Miami. Wer Luftaufnahmen früherer Tage mit denen von heute vergleicht, kann einen Teil des Problems sofort erkennen.

Es wird gebaut, als gäbe es keinen steigenden Meeresspiegel und nicht mehr Extremwetter-Ereignisse als Folge der Erderwärmung. Dagegen haben die in ein paar Kommunen installierten Pumpen keine Chance.

Während sich nicht jeder einzelne Hurrikan ursächlich auf den Klimawandel zurückführen lässt, bestreitet kaum ein Experte den dahinterliegenden Trend.

Weil die Temperaturen im tropischen Meer steigen, nehmen die Stürme an Intensität zu.

Der Faktor Natur lässt sich nicht ausschließen. Der menschliche Anteil an den Katastrophen schon.

Dazu gehören neben dem Klimaschutz auch die fehlenden Investitionen der USA in ihre marode öffentliche Infrastruktur. Die Frage ist, was noch geschehen muss, um die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Jetzt bleibt erst einmal nichts anderes übrig, als Florida die Daumen zu drücken und das Beste für die Betroffenen zu hoffen. Das ist menschlich, ersetzt aber gewiss keine gute Politik.


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