Die Angst vor einem "orangen Hitler"

Übermorgen wählt Amerika. Bis dahin geht die Angst in weiten Teilen des Landes um. Was, wenn...

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Die Angst vor einem "orangen Hitler" SN/APA/AFP/MANDEL NGAN
Kann er das Rennen um die Präsidentschaft für sich entscheiden?

Ein Wort hat mich an diesem letzten Wochenende vor der Präsidentschaftswahl begleitet: "aber". Da war Bob, der seinen 75. Geburtstag mit seiner Familie in einem Lokal feierte. Bob wird in zwei Tagen Hillary Clinton seine Stimme geben, "aber ein Sieg von Donald Trump wäre denkbar." Oder Jamie, der gerade einen neuen Job in Boston gefunden hat. "Ich glaube nicht an Hillary Clinton und bin kein Fan von ihr, aber ich werde Sie wählen. Donald wäre ein Albtraum."

Die Angst, dass Donald Trump wirklich zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt werden könnte, ist überdeutlich zu spüren. Diese Angst vor dem "aber". Hillary Clinton könnte ein ähnliches Schicksal erleiden, wie vor 16 Jahren Al Gore. Auch er war der klügere Kandidat, besser ausgebildet, fleißiger, sogar der stärkere Redner, "aber" Präsident wurde sein Gegner, der sich alles erlauben konnte, jede Frechheit, jede Lüge, jeden Fehler: George W. Bush.

Eine Angst, die nicht nur in Amerika um sich greift. Die englische Zeitung "The Guardian" schrieb am Wochenende etwa: "Die Wahlen in den USA sind für die Welt ebenso wichtig wie für die Amerikaner. Der überragende Grund dafür ist, dass der Multilateralismus und die Idee einer auf Regeln beruhenden Weltordnung in großer Gefahr sind. Ein Sieg Donald Trumps würde die Welt sofort beunruhigen und noch unsicherer machen als sie es ohnehin schon ist."

Diese Unruhe spürt man auch in amerikanischen Medien. Etwa in der "Real Time" Show mit Bill Maher. Wo zwar auf Lachmuskeln und derbe Witze gesetzt wird - am Freitag bezeichnete Maher Präsidentschaftskandidaten Donald Trump etwa als "orangen Hitler" - eine Anspielung auf Trumps solariumgebräunte Haut -, aber in jedem Witz schwingt auch eine Spur Besorgnis mit.

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Seiner Sorge Ausdruck verlieh auch der US-Schauspieler Bryan Cranston ("Malcolm mittendrin", "Breaking Bad") in einem Interview mit der BBC. Cranston, der bereits zuvor angekündigt hatte, nach Kanada auszuwandern, falls Trump gewinnt, verglich den Republikaner mit einer tragischen Shakespeare-Figur und nannte einen Sieg Trumps schlicht "bizarr". Nachsatz: Cranston glaubt nicht, dass Trump das Rennen um das Weiße Haus für sich entscheidet.

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Hoffnung für diese Einschätzung geben auch die letzten Umfragen, die die Demokratin Clinton knapp vor Trump sehen. Laut einer Umfrage der Eliteuni Princeton soll Hillary Clinton sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent gewinnen.

Wenn Sie am Mittwoch aufwachen, werden Sie es wissen.

Der Countdown läuft: noch zwei Tage bis zur Wahl.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 09:31 auf https://www.sn.at/politik/die-angst-vor-einem-orangen-hitler-912964

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