Die Türkei macht einen Schritt in die richtige Richtung

Ohne die Kurden ist der Vormarsch der Terrormilizen nicht zu stoppen - und die Sicherheit der Türkei nicht gewährleistet.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Michael Wrase

Nach mehr als 130 Luftattacken auf die Stellungen und den Nachschub der IS-Terroristen in Kobane haben die USA nun auch Waffen und Munition für die Verteidiger der Kurdenstadt abgeworfen. Es war eine richtige Entscheidung. Sie zeigt, dass die Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Dschihadisten nun Nägel mit Köpfen machen. Hätte sich das Weiße Haus darauf beschränkt, die aufopferungsvoll kämpfenden Kurden nur mit Luftschlägen zu unterstützen, wäre der "Islamische Staat" wahrscheinlich eher früher als später in Kobane einmarschiert - und hätte einen symbolisch enorm wichtigen Sieg errungen. Mit direkten Waffenlieferungen können die Dschihadisten dagegen auch auf dem Boden nachhaltig bekämpft werden. Nicht nur in Kobane, sondern auch anderswo.

Dass sich die Kurden gegen die islamistischen Terroristen behaupten können, haben sie schon im Irak bei der Verteidigung der Millionenstadt Erbil und bei der Rettung der Jesiden bewiesen. Im Kampf gegen den sich ausbreitenden IS auf ihre Schlagkraft und Erfahrung zu verzichten und die kurdischen Einheiten in Kobane verbluten zu lassen wäre töricht gewesen.

Die Türkei wurde durch die amerikanischen "Airdrops" über Kobane zu einer Kehrtwende gezwungen. Noch am Wochenende hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan wie üblich über "kurdische Terroristen" gewettert und jede Bewaffnung strikt verweigert. Möglich, dass die für den Heimmarkt gedacht war. Nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama jedenfalls, in dem Erdogan über die bevorstehenden US-Waffenlieferungen unterrichtet wurde, folgte grünes Licht für kurdische Freischärler, die aus dem Irak über die Türkei nach Kobane wollen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch kein Politikwechsel.

Die Türkei müsste endlich erkennen, dass ihr bislang so halbherziges Lavieren den Terrormilizen in die Hände spielte. Die Dschihadisten bedrohen auch Anatolien. Absprachen mit ihnen - und die hat es zweifellos gegeben - sind unmöglich.

Mit den Kurden, ob in Syrien, dem Irak oder der Türkei, ist eine Verständigung dagegen möglich, notwendig und für alle Seiten nützlich. Nur mit den Kurden als Alliierte können die sunnitischen Dschihadisten besiegt werden.

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