Donald Trump gibt den Verlierern eine Stimme

Der US-Wirtschaft geht es ziemlich gut - sagt Barack Obama. Mag sein. Doch viele Amerikaner wurden einfach abgehängt.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Thomas Spang

Wer Politiker und Experten fragt, wie es um die Wirtschaft in den USA steht, bekommt ein Puzzle an Antworten. Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, hängt ganz von der Sichtweise ab. Laut Donald Trump durchleiden die Amerikaner eine der schwächsten Wachstumsphasen seit dem Zweiten Weltkrieg. Präsident Barack Obama habe die Konjunktur durch hohe Steuern und eine verfehlte Handelspolitik abgewürgt. Richtig ist, dass die Wirtschaft seit Ende der Rezession 2009 nur um 15,5 Prozent gewachsen ist. Das entspricht einer durchschnittlichen Zuwachsrate von rund 2,1 Prozent und liegt unter der anderer Konjunkturzyklen, aber deutlich über der anderer westlicher Industrienationen.

Trump hat recht, wenn er den Zustand der Flughäfen oder den Mangel an Investitionen in Amerikas Straßen und Brücken beklagt. Ehrlicherweise müsste er diese Kritik jedoch nicht an Obama, sondern den republikanisch geführten Kongress richten, der mit seiner Rotstift-Politik Investitionen verhinderte.

Nicht verkehrt ist auch die Beobachtung, dass der Aufschwung an vielen Amerikanern vorbeigegangen ist. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 9,7 Prozent - wenn all jene mit eingerechnet werden, die eine Jobsuche einfach aufgegeben haben.

Wer Hillary Clinton und Barack Obama folgt, sieht ein ganz anderes Bild der Wirtschaft. Demnach erleben die USA eine der längsten Aufschwungphasen in der Geschichte. Tatsächlich holte Obama die US-Ökonomie nach seiner Wahl 2009 mit einem gewaltigen Investitionsprogramm aus der beginnenden Depression zurück. Der Präsident ererbte einen Arbeitsmarkt, der jeden Monat fast 800.000 Jobs verlor. Dass 2016 im Jahresschnitt monatlich rund 186.000 Arbeitsplätze hinzukommen, belegt die Kehrtwende. Allein im Juli wuchs der Arbeitsmarkt um 255.000 Jobs. Besonders ermutigend aus Sicht der Regierung ist auch die Entwicklung bei Löhnen und Konsum. Die Stundenlöhne wachsen schneller als die Inflation, was bei vielen das Gefühl hinterlässt, mehr Geld in der Tasche zu haben. Die Verbraucher gaben im jüngsten Quartal satte 4,2 Prozent mehr aus als im vorherigen.

Doch zweifelsohne haben die Privatisierungspolitik der vergangenen dreißig Jahre und die Globalisierung Verlierer produziert. Die Gagen im Niedriglohnbereich stagnieren, unfreiwillige Teilzeitarbeit grassiert und das Wohlstandsgefälle ist grotesk. Wer auch immer die Geschicke der USA künftig bestimmen wird, kommt an diesen Realitäten nicht vorbei.

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