Donald Trump hat seinen Start verpatzt

Die meisten US-Bürger sind unzufrieden mit der Form, wie Donald Trump den Übergang zu seiner Präsidentschaft handhabt.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Helmut L. Müller

Eine Woche vor dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten herrscht nicht einmal annähernd Klarheit über den politischen Kurs, den Donald Trump steuern wird. Vielmehr widersprechen von Trump ernannte Kabinettsmitglieder in zentralen Positionsbestimmungen dem künftigen Mann im Weißen Haus diametral. Innerhalb der Republikanischen Partei wächst die Riege der Kritiker, die entsetzt sind über Trumps verpatzten Start.

Denn statt überlegt seine Pläne für die Zukunft Amerikas zu entwickeln, rückt der künftige Präsident als Person ins Kreuzfeuer der Kritik. Zum einen sehen Experten angesichts von Trumps weitverzweigtem Firmenimperium die ethischen Regeln über die Trennung von privaten und staatlichen Interessen in Gefahr. Zum anderen droht wegen der Berichte, dass Amerikas neuer Präsident durch kompromittierendes Material von der gegnerischen Macht Russland erpressbar sein könnte, ein Sicherheitsrisiko.

Dass Auftritte des US-Präsidenten in den nächsten vier Jahren so verlaufen werden wie Trumps jüngste Pressekonferenz, ist eine Horrorvorstellung. Wir sehen hier einen Mann, der sich sogar bei den dürren inhaltlichen Aussagen in Widersprüche verwickelt. Wir sehen vor allem einen Mann, der schnell außer Kontrolle gerät, wenn er mit Kritik konfrontiert wird. Wir erleben einen Mann, der dann wütend losschlägt gegen die eigenen Geheimdienste und die Medien. So einer soll künftig die Weltmacht USA führen?

Trump hat die US-Wahl gewonnen, obwohl er als Lügner, Rassist, Frauen- und Fremdenfeind aufgetreten ist. Aber auch nach diesem Votum bleibt Trump im Modus des Wahlkämpfers. Er pfeift weiterhin auf Komment und Konsens. Medienmacher kalkulieren schnell, dass ihnen eine von Trump erzeugte Skandalwelle reichlich süffigen Stoff bringen wird. Tatsächlich ruiniert Trumps maßlos überzogene "politische Inkorrektheit" das Vertrauen in eine ohnedies stark diskreditierte Politik vollends.

Die Träger hoher politischer Ämter können nur Autorität ausstrahlen, wenn sie nachweisen, dass sie für das Allgemeinwohl arbeiten und persönlichen Vorteil zurückstellen. Hier zeigt der Machtwechsel in den USA einen krassen Kontrast: Auf den intellektuellen Politiker Barack Obama folgt der politische Amateur Trump; ein Mann der Rationalität wird abgelöst von einem impulsiven Narzissten. Obama hat die USA acht Jahre lang affärenfrei und seriös geführt. Trump aber beginnt im Schatten von Affären und gibt die Weltmacht stillos dem Gespött preis.

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