Ein Denkmal für die andere Heldentat

Das Denkmal für die Deserteure des Zweiten Weltkriegs ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, die Ereignisse dieses Krieges zu verarbeiten.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Viktor Hermann

Morgen, Freitag, wird in Wien das Deserteursdenkmal eröffnet. Es gedenkt jener, die sich entschlossen, nicht Teil eines verbrecherischen Krieges zu sein, und wegen dieser Weigerung ihr Leben riskierten oder gar verloren.

Es hat fast sieben Jahrzehnte gedauert, bis die Republik Österreich bereit war, diese Zwischenbilanz eines furchtbaren Kapitels unserer Geschichte zu ziehen. Ein Schlussstrich ist das zwar noch nicht, wohl aber ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Traumata, die dieser Krieg verursacht hat.

Lange, zu lange war die Kluft unüberbrückbar. Da standen einerseits jene, die am Krieg teilgenommen und bis zu dessen Ende - oder als Kriegsgefangene weit darüber hinaus - gelitten haben. Andererseits hatten sich Tausende Männer der Wehrmacht entzogen, weil sie nicht Teil einer Vernichtungsmaschinerie sein, weil sie nicht an diesem Unrecht teilnehmen wollten.

Man hat die Wehrmachtssoldaten
oft pauschal als Kriegsverbrecher beschimpft und andererseits die Deserteure ebenso pauschal als Feiglinge und Verräter verunglimpft.

Je größer die zeitliche Distanz zum Zweiten Weltkrieg, desto leichter fällt es, ein ruhigeres Urteil zu fällen. Der Krieg war ein Verbrechen der Nationalsozialisten gegen Europas Völker, aber auch gegen alle Kriegsteilnehmer in der Wehrmacht selbst. Die Wehrmacht hat nicht "die Heimat verteidigt", wie das die Anhänger der Hitlerei noch heute behaupten. Weder in Stalingrad noch an der französischen Atlantikküste, weder in Griechenland noch in Holland, weder in Nordafrika noch in Norwegen war "unsere Heimat", die man hätte verteidigen müssen, das waren völkerrechtswidrig überfallene, besetzte fremde Länder.

Beiden Gruppen hat man bitter Unrecht getan, den Soldaten der Wehrmacht und den Deserteuren. Wer am Krieg teilnahm, tat das meist, weil er durch ein totalitäres Regime dazu gezwungen oder durch Propaganda dazu verführt worden war.

Wer desertierte, tat das, weil er an diesem Verbrechen nicht mit schuld sein wollte. Sich dem Verbrechen zu verweigern ist ebenso eine Heldentat, wie sein Leben "fürs Vaterland" zu riskieren.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 09:47 auf https://www.sn.at/politik/ein-denkmal-fuer-die-andere-heldentat-3074194

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