EU oder politische Einsiedelei?

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Politik | Innen- & Außenpolitk Manfred Perterer

Die Europäische Union befindet sich in einer schwierigen Phase. Lahmende Wirtschaft, hohe Arbeitslosigkeit, durchlässige Außengrenzen, mangelnde Flüchtlingsverteilung, wachsender Nationalismus, hohe Staatsschulden, zunehmende Unterschiede zwischen Arm und Reich, ein schlingernder Euro und die ersten Auswirkungen einer rasanten Digitalisierung der Welt lassen den Glauben der Menschen an die immerwährende Wohlstandsmehrung durch die EU schwinden. Auch das zweite sinnstiftende Moment der Vergangenheit, nämlich die Friedenssicherung, tritt vor allem bei den jüngeren Generationen in den Hintergrund, die Gott sei Dank weder Krieg noch Hunger haben erleiden müssen.

Wo liegt also der tiefere Sinn der EU? Wofür brauchen wir sie überhaupt? Und: Lohnt es sich überhaupt, für ihren Erhalt zu kämpfen? Oder sollten wir uns so wie die Briten aus dem Projekt Europa gar ausklinken?

In einer neuen Umfrage von research affairs geben die Bürgerinnen und Bürger (Seite 2) darauf eine klare Antwort: Die EU hat ihre Existenzberechtigung weiterhin als Bewahrerin des Friedens, als Bewacherin unserer Außengrenzen und als Retterin in der Migrationsfrage.

Was die Menschen in Österreich auf keinen Fall wollen,
ist aus der EU austreten. Nur
28 Prozent sprechen sich für einen Öxit aus. 60 Prozent sind für den Verbleib, 12 haben keine klare Meinung dazu.

Das erklärt auch, warum sich diejenigen politischen Kräfte, die bisher mehr oder weniger direkt mit einen Austritt der Alpenrepublik kokettiert haben, plötzlich ruhig verhalten. Der Weg in die politische Einsiedelei ist nämlich nicht mehrheitsfähig. Auch nicht für Präsidentschaftskandidaten. Das weiß inzwischen auch Norbert Hofer.

Sehr wohl gefragt ist hingegen eine Veränderung und damit Verbesserung der Union.
70 Prozent gehen davon aus, dass die EU in zehn Jahren in dieser Form nicht mehr bestehen, sondern ganz anders aussehen wird. Österreich sollte sich an diesem Entwicklungsprozess konstruktiv beteiligen und nicht weiter durch Zwischenrufe aus der zweiten politischen Reihe negativ auffallen.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 02:20 auf https://www.sn.at/politik/eu-oder-politische-einsiedelei-912571

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