Eurofighter - eine Bilanz des Absurden

Vor fünf Jahren landete der erste Eurofighter in Österreich. Eine kleine Geschichte des Populismus und der Geldvernichtung.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Alexander Purger


S tellen Sie sich vor, Sie kaufen den tollsten aller Luxusherde. Und dann kochen Sie nur Eierspeise. - So etwa stellt sich heute die Situation der Eurofighter in Österreich dar.

Vor genau zehn Jahren - im Juli 2002 - fiel die Entscheidung für den Kauf der Eurofighter. Vor genau fünf Jahren - im Juli 2007 - landete der erste Eurofighter in Zeltweg. Die Bilanz, die man zu diesem doppelten Jubiläum ziehen kann, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Überhaupt dann, wenn man das Verhalten der einzelnen Parteien gnädig außer Acht lässt und nur das Verhalten der Republik als Ganzes Revue passieren lässt.

1999 wird der Kauf neuer Kampfjets ausgeschrieben. Viel zu spät, denn die alten Maschinen sind längst am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt. Die Regierung schlägt die Empfehlung des Bundesheers, 30 Jets zu kaufen, in den Wind und schreibt 24 Maschinen aus.

2002 fällt die Entscheidung für den Eurofighter. Im Vorfeld kommt es zu dubiosen Zahlungen, die bis heute - zehn Jahre später! - die Ermittlungsbehörden beschäftigen. Ohne greifbares Ergebnis.

Als es kurz nach der Entscheidung ein Hochwasser gibt, wird die Zahl der Maschinen auf 18 reduziert. Nach einem Regierungswechsel 2006 kommt es zu einer nochmaligen Reduzierung auf 15 Jets. Außerdem bestellt Österreich alle Ausrüstungen für den Auslandseinsatz ab und wählt statt neuer Maschinen gebrauchte Jets einer älteren Baureihe aus. Aus Einsparungsgründen. Der Rechnungshof stellt fest, dass der Stückpreis nach den Einsparungen höher war als davor.

2007 wird der erste Eurofighter geliefert. Der Verteidigungsminister verfügt sich eilends ins Ausland, um ihn nicht in Empfang nehmen zu müssen.

So weit die Geschichte. Von der Grundidee, einen modernen, mit anderen europäischen Armeen kompatiblen Jet zu kaufen, um ihn in den Auslandseinsatz schicken zu können und sich dadurch riskante Bodeneinsätze zu ersparen, ist nichts übrig geblieben. Dazu hat Österreich zu wenige, zu schlecht ausgerüstete Jets. Die Ausbildung der Piloten muss um viel Geld im Ausland stattfinden, weil es zu wenige Flugzeuge gibt.

Der Eurofighter fliegt heute Patrouille im heimischen Luftraum und fotografiert hin und wieder ein unangemeldetes Flugzeug. Dafür ist er eindeutig überqualifiziert. Das hätte ein billigeres Modell auch gekonnt. Alles in allem: Wahrlich kein Ruhmesblatt für die Republik.

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