Für die AfD wachsen die Bäume nicht in den Himmel

Schon wieder eine Wahlschlappe für SPD und CDU, diesmal in Berlin. Doch auch die AfD hat ihre Grenzen.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Manfred Perterer

Dass die AfD (Alternative für Deutschland) vor zwei Wochen in Mecklenburg-Vorpommern groß abräumt, war irgendwie vorhersehbar. Das strukturschwache ostdeutsche Bundesland ist gezeichnet von hoher Jugendarbeitslosigkeit. Die Einheimischen fürchten jeden, der ihnen den Job streitig machen könnte, vor allem Flüchtlinge, obwohl es dort relativ wenige gibt. Stimmungen regieren, nicht Fakten. Das ist der Boden, auf dem AfD-Erfolge wachsen.

Ist das auch möglich im weltoffenen Berlin, einer der angesagtesten Städte der Welt, seit jeher offen, multikulti, jung? Die Antwortet lautet: nein. Wie es am Abend nach den ersten Hochrechnungen aussah, konnte die AfD nicht an ihr Meck-Pomm-Ergebnis von 20,8 Prozent anschließen. Diesmal reichte es "nur" für um die dreizehn Prozent. Aber immerhin ist es ihr gelungen, die Große Koalition aus SPD und CDU zu zerschlagen und vor allem den Christdemokraten eine weitere schwere Niederlage zuzufügen. Denn die CDU wird, wie es jetzt aussieht, aus der Koalitionsregierung fliegen und einem Bündnis aus SPD, Grünen und Linken Platz machen müssen. Damit ist die Kanzlerinpartei nur noch in sechs von 16 deutschen Landtagen in der Regierung vertreten.

Ein Gutteil der Pleite ist den Berliner Großkoalitionären selbst zuzuschreiben. Das Milliardendesaster rund um den neuen Flughafen würde allein für eine Abfuhr durch die Wähler reichen. Ebenso das bürokratische Desaster rund um die Versorgung von Flüchtlingen. Es ist also vor allem aus CDU-Sicht nicht gerecht, die Verluste Parteichefin Angela Merkel allein in die Schuhe zu schieben. Dennoch muss sich die Kanzlerin nach diesem Wahlabend genau überlegen, wie lang sie ihre Haltung ("Wir schaffen das") noch durchhalten will oder besser gesagt noch durchhalten kann.

Bis heute war Angela Merkel in der CDU ohne ernst zu nehmende Alternative. Doch nachdem sich vor allem aufgrund ihrer Flüchtlingspolitik eine CDU-Wahlniederlage an die andere reiht, werden nicht nur aus München Stimmen aufkommen, die sich eine personelle Erneuerung an der Spitze der CDU wünschen. Keinen Grund zum Jubeln gibt es auch für die SPD. Sie kann sich nur noch damit trösten, die schwache Nummer eins geblieben zu sein.

Was uns Berlin noch zeigt: Für die AfD wachsen die Bäume in Deutschland noch nicht in den Himmel. Die strammen Rechten haben zwar auch in der Hauptstadt ihr Potenzial, aber dieses ist bei Weitem nicht so groß wie im dünn besiedelten Osten.

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