Hillary Clinton wäre für die Welt die bessere Wahl

International setzt die Demokratin auf Diplomatie, gestützt von militärischer Stärke. Rivale Trump will Alleingang und Rückzug.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Helmut L. Müller

Selbstverständlich möchte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht sagen, welchem Kandidaten im amerikanischen Präsidentschaftsrennen ihre Sympathien gehören. Aber es ist keine sehr kühne Spekulation zu vermuten, dass die Regierungschefin in Berlin Hillary Clinton die Daumen drückt. Die Bewerberin der Demokraten steht für die Kontinuität von Amerikas Außenpolitik, die auf die bewährten Bündnisse setzt. Sollte dagegen der republikanische Rivale Donald Trump ins Weiße Haus einziehen, drohen Turbulenzen im transatlantischen Verhältnis.

Hillary Clinton ist für die Welt außerhalb der USA die Erfahrene, die Erprobte. Sie teilt zu einem beträchtlichen Teil die Weltsicht des scheidenden Präsidenten Barack Obama: Amerika soll, zusammen mit anderen, weiterhin eine ordnende Rolle in der globalen Politik spielen. Internationalismus also, unterfüttert mit Idealismus. Als Präsidentin wäre Clinton - im Unterschied zum militärisch zurückhaltenden Obama - wohl stärker interventionistisch, wie ihre Äußerungen zu den Konflikten in Syrien und in Libyen nahelegen. Aber sie würde in jedem Fall eine enge Kooperation mit den NATO-Partnern anstreben.

Donald Trump dagegen ist für die übrige Welt der Unerfahrene, der Unberechenbare. Er denkt isolationistisch und will Amerika aus den Konflikten dieser Welt möglichst heraushalten. Das passt freilich nicht zusammen mit seinem zweiten Versprechen, Amerika wieder stark zu machen. Vor allem aber bricht Trump mit Amerikas jahrzehntelanger Bündnispolitik: Die Beistandsgarantie innerhalb der Atlantischen Allianz stellt er ebenso infrage wie die Stationierung von US-Truppen bei asiatischen Alliierten wie Japan und Südkorea. Das eine freut Kremlchef Wladimir Putin mit seinem scharfen NATO-Feindbild, das andere spielt der nach regionaler Vorherrschaft im Pazifik trachtenden Volksrepublik China in die Hände. Weder der Respekt für die Herrschaft des Rechts noch die Förderung der Menschenrechte stehen auf Trumps weltpolitischer Agenda. Auch das ist ganz nach dem Geschmack von Amerikas autoritären Konkurrenten China und Russland.

Trumps nationalistischer Ton lautet: "America first". Aber das ist ein Anachronismus in einer mehr denn je interdependenten, miteinander verflochtenen Welt. Amerika könne der Welt nicht den Rücken zukehren, versichert realistischerweise Hillary Clinton. Ihr Credo ist, wie bei allen Reformern, eine Politik des Möglichen. Das klingt sehr vernünftig für Angela Merkel, die Pragmatikerin.

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