Hillary und die Orange

Lassen Sie uns über jene Frau sprechen, die zur ersten Präsidentin Amerikas gewählt werden könnte - und ihr Problem mit dem amerikanischen Volk.

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Politik | Innen- & Außenpolitk Anja Kröll
Hillary und die Orange SN/apap
Hillary Clinton bei einer Benefizveranstaltung am Donnerstag in New York.

Es gibt diese Geschichte mit der Orange, die Emily Schultheis, Politikredakteurin bei CBS, einem der größten Hörfunk- und Fernsehnetzwerke Amerikas, ganz beiläufig erzählt. Eine Geschichte, die so gar nicht in das Bild passen will, das die Amerikaner von ihrer demokratischen Präsidentschaftskandidatin zeichnen.

Sie geht so: Eine Runde Journalisten begleitete die 68-Jährige Anfang des Jahres bei einem Flug zu einem ihrer Wahlauftritt. "Hillary saß in der Business Class, durch einen Vorhang abgeschirmt von den Journalisten", erzählt die 27-jährige Schultheis. Während des Fluges waren Fragen an die Präsidentschaftskandidaten strengstens untersagt. Bis einer der Journalisten sich eine Orange schnappte, einen Zettel mit der Frage "Mit wem würden Sie lieber Abendessen gehen? Wladimir Putin oder Donald Trump - zutreffendes bitte ankreuzen" präparierte und auf dem Boden Richtung Hillary Clinton rollte.

Glaubt man dem amerikanischen Gefühl, hätte Hillary die Orange ignorieren müssen.

Denn die Amerikaner werden nicht warm mit ihrer einstigen First Lady. Die Vorwürfe: Clinton fehle der Instinkt für Menschen, die Herzenswärme, das Gespür. "Hillary hat in ihrer gesamten Zeit in der Politik, und das ist verdammt lange, sehr viel schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht. Darum hat sie ihre Privatsphäre von der Öffentlichkeit abgeschottet. Dadurch wirkt Sie für viele Wähler aber unnah- und unwählbar", analysiert Schultheis, die im Jahr 2012 Mitt Romney auf seiner Wahlkampftour durch Amerika begleitete.

Es stimmt. Als Hillary 1993 mit Bill Clinton ins Weiße Haus einzog, stand sie unter Dauerbeobachtung, der Umgang der Presse während der Affäre ihres Manns mit Monica Lewinsky ließ sie noch vorsichtig werden. Der "Spiegel" umschrieb das Verhältnis der Amerikaner zu Clinton einmal treffend so: "Die Amerikaner lieben sie nicht, sie respektieren sie, bestenfalls."

Historisch gesehen, das wissen Politikforscher, ist dies zu wenig, um in Amerika zum Präsidenten gewählt zu werden. Denn die Amerikaner geben jenem Kandidaten den Vorzug, den sie gerne bei sich zu Hause auf der Couch sitzen haben möchten.

Doch die Hoffnung lebt. Nicht nur, weil Donald Trump seit der dritten Debatte und seiner Anzweiflung der Legitimität der US-Präsidentschaftswahl für viele endgültig unwählbar geworden ist.

Die Hoffnung lebt, wegen dieser Geschichte mit der Orange. Hillary Clinton hatte das Obst in dem Flieger voller Journalisten nämlich nicht ignoriert. Clinton nahm die Frucht, griff zu einem Stift und kreuzte eine Antwort auf die Frage: "Mit wem sie lieber Essen gehen würde - Donald Trump oder Wladimir Putin" an und rollte die Frucht zurück.

Wer der Auserwählte war? Nicht jener Mann, dem sie den Spitznamen "betrügerische" Hillary zu verdanken hat.

Zumindest Comedians haben die lustige Seite an Clinton entdeckt:

"

Der Countdown läuft: noch 17 Tage bis zur Wahl.

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