Innenpolitik

10.000 Menschen nach Europa geschleppt: Zehn Festnahmen

Ein türkischer Schlepperring soll in den vergangenen zehn Jahren 10.000 Menschen nach Europa geschleppt und sich dadurch um 15 Millionen Euro bereichert haben. Zehn Personen wurden bereits festgenommen und teilweise auch schon verurteilt, drei führende Mitglieder sind noch flüchtig. Auch ein spanischer Schleppering wurde ausgehoben, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

In beiden Fällen seien "nicht nur die Schlepper, sondern auch die dahinterliegenden Organisationen aufgedeckt worden", berichtete Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP). Derartige Schlepperorganisationen würden mittlerweile Gewinne lukrieren, die "weit über das Volumen der Suchtgiftkriminalität hinausgehen". "Wir müssen den kriminellen Elementen die Grundlage ihres Geschäftsmodells entziehen", forderte Sobotka einmal mehr die völlige Schließung der Balkanroute.

Beim türkischen Schlepperring gab es bereits zehn Festnahmen, berichtete der niederösterreichische Landespolizeidirektor Franz Prucher. Die drei führenden und noch flüchtigen Mitglieder der Schlepperorganisation sind Türken im Alter von 30, 48 und 50 Jahren. Sie sollen von Istanbul aus die Schleppungen nach Europa organisiert haben, auf drei verschiedenen Routen. Den Großteil des Entgelts behielten sie als Gewinn. Ein 39-jähriger Kosovare rekrutierte für die jeweiligen Etappen Schlepperfahrer und kundschaftete neue Routen aus. Er wurde bereits in Mazedonien festgenommen und befindet sich in Auslieferungshaft, gegen die drei Türken hat das Landesgericht Korneuburg internationale Haftbefehle erwirkt. "Die Täter kümmern sich um keine Grenzen, um keine Gesetzte, ihnen geht es um den Profit, menschliches Leid ist ihnen völlig gleichgültig", sagte Prucher. Dennoch sind die Täter für den Landespolizeidirektor "spezielle Kunden, sie werden auch höflich behandelt".

Bei der Pressekonferenz wurde auch ein weiterer Ermittlungserfolg gegen Schlepper in Spanien präsentiert. Auf die Spur dieser Bande sei man nach einem Unfall eines Transporters mit Flüchtlingen auf der A1 bei Amstetten im Jahr 2015 gekommen, schilderte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle im Bundeskriminalamt (BK) zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität und des Menschenhandels. Damals kam ein Ford Transit infolge eines Reifenschadens ins Schleudern, ehe er gegen eine Leitschiene krachte. Im Laderaum befanden sich 36 Flüchtlinge, die von Ungarn über Österreich nach Deutschland geschleppt werden sollten. 24 wurden verletzt, zwölf davon schwer. Der Lenker flüchtete.

Das Landeskriminalamt Niederösterreich führte die Ermittlungen. In Zusammenarbeit mit spanischen Polizeibehörden konnten der Lenker ausgeforscht werden. Bei ihm handelt es sich um einen 40-jährigen Pakistani, der sich in Spanien aufhielt. Am 25. Oktober 2016 wurde er nach Österreich ausgeliefert. Er ist geständig und gab Mittäter und weitere Taten zu Protokoll. Der Mann sitzt in der Justizanstalt St. Pölten in Untersuchungshaft. Vier weitere Täter wurden ermittelt, darunter auch der Organisator der Gruppe, der sich in Spanien befindet. Nach diesen Verdächtigen wird gefahndet.

Derzeit würden wieder vermehrt Schleppungen "in Behältnissen wie Güterzüge, Kleintransporte oder Kleinlastwägen" durchgeführt, berichtete Tatzgern. Der Experte rechnet auch für das kommende Jahr mit einer erhöhten Migrationsbewegung von Afrika Richtung Europa. "Die Schlepper nützten besonders dreiste Mittel, um die Menschen nach Europa zu bringen", sagte Tatzgern. So werden beispielsweise auf der Mittelmeerroute überfüllte Schlauchboote eingesetzt, die "fast keinen Treibstoff haben". In diesem Jahr seien "über das Mittelmeer mehr als 20 Prozent mehr Personen gekommen als im letzten Jahr", berichtete Tatzgern. In der Europäischen Union sind nach Angaben der Grenzschutzbehörde Frontex in diesem Jahr bisher rund 350.000 Flüchtlinge angekommen. "Je die Hälfte über die Balkan- bzw. die Mittelmeerroute", schilderte der Experte. 9.000 Euro kostet laut Tatzgern eine Schleppung nach Österreich. Im Vorjahr wurden in Österreich 1.100 Schlepper identifiziert, "heuer waren es 230".

Quelle: APA

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