Innenpolitik

70 Prozent der Familienbonus-Bezieher sind Männer

Die Arbeiterkammer (AK) zeigt sich mit Steuerreform und Budget unzufrieden, kämen doch Frauen als Leistungsträger in der Coronakrise zu kurz darin. Als Beispiel führt die Arbeiterkammer den Familienbonus an, von dem vorwiegend Männer profitierten. 2019 seien rund 70 Prozent der Bezieher Männer gewesen, knapp 30 Prozent waren Frauen. Männer erhielten durchschnittlich 2.187 Euro, Frauen 1.436 Euro, wie Berechnungen der AK ergaben.

Damit kamen die über 681 Mio. Euro Familienbonus zu 78, 34 Prozent Männer zugute, lediglich 21,66 Prozent davon Frauen. Die Arbeiterkammer ist freilich nicht generell gegen den Familienbonus, beklagt aber, dass darüber hinaus Maßnahmen für Frauen fehlten. Die AK fordert etwa mehr Geld für Kinderbetreuung und Pflege, eine Förderung der partnerschaftlichen Teilung von Familien- und Erwerbsarbeit per Familienarbeitszeit (500 Euro für Halbe-Halbe bei der Elternteilzeit) und volle Lohntransparenz in Betrieben.

Familienministerin Susanne Raab (ÖVP) verwies auf die Anhebung des Kindermehrbetrags um 200 Euro auf 450 Euro. Diese Entlastung würden insbesondere Alleinerziehende spüren. "Das sind vor allem Mütter, denn wir wissen, dass 90 Prozent aller Alleinerziehenden Frauen sind", so Raab. Mit der ökosozialen Steuerreform, dem höheren Familienbonus und dem Kindermehrbetrag sorge die Bundesregierung für eine Entlastung von insgesamt 600 Mio. Euro mehr pro Jahr, von der 1,75 Mio. Kinder im Land profitierten, argumentierte Raab.

Laut einer Studie von Sora im Auftrag der AK sind 65 Prozent aller Arbeitskräfte im systemrelevanten Bereich Frauen. Gemeinsam ist diesen Tätigkeiten, dass sie nicht oder nur schwer von zu Hause ausgeführt werden können. Zudem hätten die Beschäftigten zum Teil viel Kontakt zu Menschen und dadurch ein größeres Ansteckungsrisiko. Besonders hoch ist der Frauenanteil unter den Kindergartenpädagogen (88 Prozent), Kassierern und Regalbetreuern (86 Prozent), Reinigungs- (83 Prozent) und Pflegekräften (82 Prozent). Gleichzeitig waren es Frauen, die den zeitweisen Ausfall der Kinderbetreuung ausgeglichen haben. Frauen waren und sind die Leistungsträgerinnen der Coronakrise. Das Budget spiegle das aber nicht wider, hieß es.

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