Ab und zu muss man sich fremdschämen

Frauen haben in diesem Staat vor dem Gesetz die gleichen Rechte wie die Männer. Damit ist es aber nicht getan.

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Standpunkt Alfred Pfeiffenberger

Seien wir ehrlich. Ab und zu kann es nerven, dass man als Mann ständig unter Generalverdacht gestellt wird, ein frauenfeindlicher Macho zu sein. Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern, Sexismus, zu wenig Beteiligung an der Familienarbeit. Themen, bei denen Männer schlecht aussteigen, gibt es ausreichend. Dass gleichzeitig vieles besser geworden ist, vom verschärften Sexualstrafrecht bis zur Frauenquote in Aufsichtsräten, wird gern übersehen.

Dass diese Erfolge allerdings noch nicht reichen, zeigen einige Vorkommnisse der vergangenen Tage. Da wären zum einen die Vorgänge bei der Liste Pilz. Der Aufklärer der Nation, Peter Pilz, will wieder in den Nationalrat zurück, nachdem die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wegen sexueller Belästigung gegen ihn eingestellt hat. Und wer muss dafür auf sein Mandat verzichten? Eine Frau namens Maria Stern. Dass diese bis vor Kurzem eine Initiatorin
des Frauenvolksbegehrens war, macht die Sache noch ein wenig pikanter. Dafür wird Frau Stern die Parteichefin der Liste Pilz. Die hat übrigens vier Mitglieder.

Und da wären zum anderen die Vorgänge rund um die ehemalige Grünen-Abgeordnete Sigi Maurer. Diese ging vor Kurzem an einem kleinen Geschäft in Wien vorbei. Dabei wurde sie blöd angeredet und erhielt wenig später über den Messenger-Dienst von Facebook einige obszöne Nachrichten. "Hallo Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbei gegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt als wolltest du Ihn essen", war da zu lesen. Das war im Vergleich zum Rest der Nachricht der eher harmlose Teil. Maurer machte den Text öffentlich, und weil sie dabei auch den Namen des Geschäftsmanns veröffentlichte, hat sie nun eine Klage am Hals, und zwar wegen übler Nachrede und Kreditschädigung. Er habe die Nachricht nicht selbst verfasst, sondern irgendeiner seiner Kunden, der den Zugang zu seinem Computer benutzt habe, so die Begründung des Klägers.

An diesen beiden Fällen zeigt sich deutlich, mit welchen Problemen Frauen in dieser Gesellschaft noch immer zu kämpfen haben. Bei Maurer ist es plumper, primitiver Sexismus. In der Liste Pilz geht es um Macht und darum, wie sie ausgeübt wird. Abgesehen davon, dass der Absender der Botschaft an Maurer jegliche Kinderstube vermissen lässt, bleibt die Erkenntnis, dass es nach Jahrzehnten der Emanzipation noch etliches zu tun gibt. Dabei sind zuallererst einmal die Männer gefordert. Die Frauen haben ja laut genug gesagt, was sie wollen: als gleichberechtigte Menschen behandelt zu werden.

Aufgerufen am 17.08.2018 um 01:39 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ab-und-zu-muss-man-sich-fremdschaemen-28912336

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