Innenpolitik

Ärzte kritisieren Planungschaos im Krankenhaus Nord

Bei den Planungen für die Eröffnung des Wiener Krankenhauses Nord herrscht offenbar weiter Chaos. Nach den Missständen und Kostenüberschreitungen beim Bau des Spitals gibt es nun auch Probleme bei der Übersiedlung und beim Start. Ärztevertreter warnen laut "profil" vor schlechter Planung und Personalmangel. Der Wiener Krankenanstaltenverbund weist die Kritik zurück.

Das Chaos-Krankenhaus ist ohne Organisation SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Das Chaos-Krankenhaus ist ohne Organisation

"Das Krankenhaus Nord wird im Sommer 2019 den Betrieb aufnehmen. Schon jetzt, ein halbes Jahr vor Beginn des Betriebs, sind 91 Prozent der Ärzte vorhanden", teilte der Krankenanstaltenverbund mit. Die laufenden Strategien, um die wenigen übrigen Ärzte in den österreichweit bekannten Mangelfächern anzuwerben, würden verstärkt fortgesetzt. Hier werde das Krankenhaus Nord alle Anstrengungen unternehmen, die notwendigen Ärzte im verbleibenden halben Jahr zu rekrutieren, versicherte die Ärztliche Direktorin des Krankenhaus Nord, Margot Löbl.

In einem Rundmail an die Personalvertreter der Wiener Gemeindespitäler übte Wolfgang Weismüller, Vorsitzender des Personalgruppenausschusses "Ärzte" im Wiener Krankenanstaltenverbund und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, heftige Kritik. Demnach gebe es für jene Ärzte, die aus anderen Wiener Spitälern ins Krankenhaus Nord wechseln sollen, nur eine "schlechte Vorabinformation über Planungen, Abläufe, Zeithorizonte und Umstände der Übersiedlung". Auch seien, so Weismüller, "die Organisationsstrukturen des Krankenhauses selbst knapp sechs Monate vor Eröffnung offenbar noch nicht klar". Es wiege "besonders schwer", dass "eine realistische Personalplanung" fehle.

Weismüller weiter: "Die Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie kann ihrem Auftrag wohl überhaupt nur zum Teil nachkommen, da erfahrene Unfallchirurgen zur Zeit Mangelware sind." Generell drohten "Personalengpässe" sowohl im Krankenhaus Nord als auch "in den nicht gerade üppig ausgestatteten bestehenden Spitälern" der Gemeinde Wien. Laut "profil" fordert Weismüller in seinem Mail "ultimativ ein vernünftiges, realistisches, bedarfsorientiertes Modell zur Personalbedarfsberechnung", ansonsten komme es "sehr schnell wieder" zu "kritischen Schlagzeilen". Im Jänner werde es dazu Gespräche geben. Allerdings, so Weismüller: "Wir werden im Bedarfsfall auch vor neuen Protesten in der Öffentlichkeit nicht zurückschrecken."

Quelle: APA

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