Innenpolitik

Androsch wird 80 und vermisst Antworten auf die Zukunft

Mit der über 400 Seiten starken Festschrift "Zukunft erkennen/gestalten" begeht Hannes Androsch seinen 80. Geburtstag. Enttäuscht zeigte er sich bei der Buchpräsentation am Dienstagvormittag allerdings darüber, dass den Parteien - auch seiner SPÖ - die Antworten auf die Zukunft fehlen. Was die Oppositionsrolle der SPÖ betrifft, befinde sich diese noch im Lernstadium, stellte Androsch fest.

Androsch denkt an die Zukunft SN/APA/HANS PUNZ
Androsch denkt an die Zukunft

In 53 Beiträgen haben sich Autoren wie SPÖ-Chef Christian Kern, ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der künftige WKÖ-Präsident Harald Mahrer oder Klima-Forscherin Helga Kromp-Kolb Gedanken über die Zukunft gemacht und darüber, wohin die Gesellschaft gehen wird. Das Buch soll dazu Denkanstöße liefern.

"Es kann nützlich sein, Geschichte zu verstehen", diese könne man aber nicht mehr verändern, meinte Androsch bei der Buchpräsentation. Die Herausforderungen der Zukunft hingegen müsse man bestmöglich bewältigen, um Menschen Orientierung und Halt zu geben und Perspektiven zu eröffnen. Seine Generation habe dabei das Glück gehabt, gerade in einer Periode von steigendem Wohlstand wirken zu können.

Man habe damals einen "wirtschaftspolitischen Cocktail" gefunden, der nicht einseitig auf eine Idee gesetzt hat und für die damalige Zeit passend gewesen sei: "Das ist natürlich nicht mehr der richtige Cocktail für eine andere Zeit." Viel eher brauche es im aktuellen Übergang zum digitalen Zeitalter neue Rezepte. Androsch warnte gleichzeitig davor, dass angesichts des derzeitigen sonnigen Konjunkturhimmels die kommenden Herausforderungen übersehen werden. Gefordert sieht er dabei nicht nur die heimischen Politiker, dies sei ein internationales Problem.

Auf die Frage, ob die SPÖ gut für Zukunftsfragen aufgestellt sei, meinte Androsch: "So wenig wie alle anderen." Im Falle der Roten schmerze es ihn. Auch was die neue Oppositionsrolle anbelangt, zeigte sich der frühere Vizekanzler generell kritisch: "Nach 100 Tagen sind die einen noch nicht in der Regierung und die anderen noch nicht in der Opposition angekommen. Sie sind noch alle in einem frühen Lernstadium." Auf die jüngsten und von den Regierungsparteien heftig kritisierten Aussagen von SPÖ-Chef Kern wollte Androsch nicht eingehen: "Ich beschäftige mich mit der Zukunft, nicht mit lächerlichen Tagesereignissen. Ich kommentiere auch nicht das Wetter." Überhaupt monierte er, dass man sich zu viel mit Nebensachen beschäftigt: "Das geht an den wirklichen Herausforderungen vorbei. Mein Anliegen ist, wie können wir die Zukunft bewältigen." Ohne Frage sei hier die Bildung ein zentraler Faktor, verwies er auf das von ihm mitinitiierte Bildungsvolksbegehren.

"Er ist im besten Sinne ein intellektueller Vernetzer", im Sinne eines Ermunterers, erklärte Peter Pelinka über Androsch bei der Buchpräsentation. "Es ist eine sehr würdige Festschrift" - zum 85., verhaspelte sich Pelinka und kündigte lachend ein noch größeres Werk "mit drei Mal so vielen Beiträgen" zum halbrunden Jubiläum dann an.

Quelle: APA

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