Innenpolitik

Anschlag in Wien: Vollautomatische Waffen in Ö verboten

Zumindest einer der Täter hat am Montagabend bei dem blutigen Anschlag in der Wiener Innenstadt ein vollautomatisches Sturmgewehr verwendet. Laut Videos dürfte es sich dabei um eine Kalaschnikow handeln. Diese gelten in der Full Auto-Version als Kriegsmaterial und fallen laut österreichischem Waffengesetz in die Kategorie A (verbotene Waffen), der Terrorist muss sie sich also illegal beschafft haben.

Bei vollautomatischen Waffen, egal ob Sturmgewehr, Maschinenpistole, Maschinengewehr oder auch ganz spezielle Pistolen, reicht es, den Abzug einmal zu betätigen, um das ganze Magazin auf einmal zu verschießen. Diese Art zu feuern erfordert jedoch ein entsprechendes Training, und selbst dann ist es schwierig, sicher zu treffen, da der Rückstoß den Lauf aus dem Ziel bewegt. Deshalb werden zumeist kurze Salven abgegeben. Bei halbautomatischen Waffen muss jedes Mal der Abzug betätigt werden, um einen Schuss abzufeuern. Damit wird zwar langsamer, aber präziser geschossen.

Hat der Angreifer in Wien tatsächlich eine Kalaschnikow verwendet, hat er sich der verbreitetsten Schusswaffe der Welt bedient: Bis zu 100 Millionen Stück in den verschiedenen Varianten sollen nach Schätzungen weltweit im Umlauf sein, weshalb wohl mit keinem Gewehr mehr Menschen getötet wurden als mit der AK47 und AK74, wobei AK für "Awtomat Kalaschnikowa" steht.

Das Sturmgewehr, das 1947 in die Serienproduktion ging, ist nach seinem Erfinder Michail Timofejewitsch Kalaschnikow (1919-2013) benannt. Der im Zweiten Weltkrieg verwundete Panzersoldat begann als Autodidakt, das erste sowjetische Sturmgewehr zu basteln. Dabei ließ er sich vor allem durch das deutsche Stg44 inspirieren, sowohl vom Konzept des Sturmgewehrs mit einer schwächeren "Mittelpatrone", als auch was den technischen Aspekt seiner Konstruktion betrifft.

1944 schickte Kalaschnikow seinen Entwurf an das Institut für Kriegstechnik in Moskau, ohne ihn je ausprobiert zu haben. Das Gerät setzte sich wider Erwarten in zahlreichen Tests gegen die Entwürfe der etablierten russischen Waffentechniker durch. Kalaschnikow wurde zum führenden und hochdekorierten Waffenkonstrukteur der Sowjetunion. Reich wurde er mit seiner Erfindung zwar nie, dafür sein Gewehr weltberühmt und berüchtigt. Ihre legendäre Zuverlässigkeit sowie die kostengünstige Herstellung machten aus der Kalaschnikow die "erfolgreichste" Schusswaffe der Welt.

Bei der AK47 handelt sich um einen Gasdrucklader, der Patronen vom Kaliber 7,62x39 verschießt. Mit dem üblichen Stangenmagazin, das 30 Patronen fasst, wiegt das 879 mm lange Sturmgewehr geladen 4,8 Kilogramm. Die Einsatzschussweite beträgt etwa 400 Meter. Es kann Einzel- oder Dauerfeuer mit einer Kadenz von 600 Schuss pro Minute gegeben werden.

1974 wurde mit dem Wechsel auf die neue Standardpatrone des Warschauer Pakts, die 5,45x39, auch ein neues Modell eingeführt, die AK74. Geladen mit dem ebenfalls 30 Schuss fassenden Standardmagazin, wiegt die mit 940 mm etwas längere Waffe nur 4,0 kg. Feuergeschwindigkeit und Einsatzschussweite blieben gleich.

Darüber hinaus gibt es unzählige Varianten, die etwa mit Klappschäften ausgestattet sind oder über einen gekürzten Lauf verfügen, um die Waffe für spezielle Truppen kompakter zu machen. Darüber hinaus wurden und werden Kalaschnikows in zahlreichen Ländern produziert, sogar in den USA. Die Gewehre werden auch in vielen anderen Kalibern angeboten.

Durch die enorme Verbreitung und den Einsatz in zahlreichen Kriegen von Vietnam über den Balkankrieg bis Syrien gelangte das Gewehr auch in die Hände von Kriminellen und nicht zuletzt Terroristen. So wurden bei einigen der blutigsten IS-Anschlägen in Westeuropa Kalaschnikows eingesetzt.

Quelle: APA

Aufgerufen am 04.12.2020 um 07:16 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/anschlag-in-wien-vollautomatische-waffen-in-oe-verboten-95095981

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