Innenpolitik

Anschober braucht Personenschutz - und will sich auf "den einzigen Gegner " Covid konzentrieren

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagt den Mythen und Verschwörungstheorien rund um Corona den Kampf an. Er stehe unter Personenschutz, berichtete er in der Pressekonferenz Dienstagmittag.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober.  SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Anschober begann die Pressekonferenz mit einer Übersicht über die Coronalage in Österreich. Er vermeldet 2425 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Dazu kämen 355.000 Testungen binnen 24 Stunden - "eine Rekordzahl". "Da gelingen uns gute Schritte nach vorn." Die Apotheken würden pro Woche 280.000 Testungen machen, die Betriebe 140.000 Testungen. "Derzeit haben wir mit 1844 Personen im Spital steigende Zahlen, eine Zunahme um 85 Personen innerhalb 24 Stunden, 383 sind in Intensivstationen. Klarer Schwerpunkt ist in Ostösterreich (mit plus 13 Prozent in den letzten sieben Tagen)." Zudem würden durchschnittlich 34.000 Impfungen pro Tag durchgeführt. Durch die Dienstagvormittag angekündigte Sonderlieferung von Biontech für die EU im zweiten Quartal 2021 kommen nach Information des Gesundheitsministers 200.000 Impfdosen zusätzlich nach Österreich. Mittlerweile seien eine Million Impfdosen verimpft worden.

Gesundheitsminister Anschober unter Personenschutz

Zum Wirbel um den Impfstoff von Astra Zeneca sagte er wie am Vortag, die Bewertung solle gesamteuropäisch erfolgen, weil das Genehmigungs- und Prüfverfahren auch auf europäischer Ebene laufe. Warum Österreich im Gegensatz zu Deutschland oder Frankreich die Astra-Zeneca-Impfung nicht aussetze, begründete er mit der Entscheidung des internationalen Impfgremiums: "Ich maße mir als Politiker nicht an, mehr zu wissen als die Fachexperten und -expertinnen."

Der Grüne bestätigte auf Journalisten-Anfrage, dass das Gesundheitsministerium auch mehr Impfstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson hätte bestellen können. Österreich hätte gemäß dem EU-Verteilungsschlüssel 3,9 Millionen Dosen von diesem Impfstoff kaufen können, hat sich aber nur 2,5 Millionen Dosen gesichert. Diese Entscheidung sei allerdings schon im Herbst des Vorjahres gefallen, als es noch viele Unbekannte gegeben habe. "Es stand im Mittelpunkt eine Risikominimierung." Die Erwartungshaltung sei gewesen, dass die Lieferung erst im zweiten Halbjahr eintreffen würde.

Anschober, der eigenen Worten nach vor einigen Monaten Personenschutz bekommen habe, möchte in Hinkunft mehr gegen Mythen und Falschmeldungen rund um Corona tun, dem Thema der Pressekonferenz. Viele würden nichts mehr hören wollen von der Entwicklung der Pandemie, "manche werden auch aggressiv. Aber das ist eine ganz kleine Minderheit". In den nächsten Monaten der Pandemie braucht es einer Überzeugung nach eine gemeinsame Kraftanstrengung. "Wir dürfen uns nicht durch alternative Wahrheiten auseinander dividieren lassen", betonte er. Jeder und jede sei Teil der Lösung, "wir wollen und müssen herausarbeiten, dass es einen einzigen Gegner gibt, das ist Covid, auf den müssen wir uns konzentrieren. Da braucht es Zusammenhalt. Die Österreicher und Österreicherinnen müssten zusammenstehen."

"Verschwörungsmythen bauen Feindbilder auf"

Andre Wolf vom Internetverein Mimikama berichtet von einer Corona-Radikalisierung in Österreich seit Jänner, wodurch auch immer mehr Ängste aufgebaut würden. "Verschwörungsmythen bauen Feindbilder auf, da kann man mit Faktencheck nicht hinterherkommen." Das spiele sich jenseits der Fakten ab. Da gebe es nur eine Lösung, nämlich zu lernen, wie Falschmeldungen von Realmeldungen unterschieden werden könnten. "Ich muss mir die Zeit nehmen vergleichend zu lesen, auch versuchen, mir diverse Techniken wie Bildersuche anzueignen." Letztlich geht es seinen Worten nach um Medienkompetenz.

Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft besteht

Konfliktforscherin Daniela Ingruber vom Austrian Democracy Lab (Donau-Universität Krems) schlug in die gleiche Kerbe. "Wir haben die Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft, weil man glaubt, man kann die andere Seite der Gesellschaft nicht bekehren." Es steige die Zahl derer, die sich zu radikalisieren begännen, "der Umgang untereinander wird aggressiver". 20 Prozent der Bevölkerung würden an Verschwörungslegenden glauben. Sorge bereitet ihr, dass dadurch Traumata in der Gesellschaft entstünden. "Daran werden wir sicher einige Jahre arbeiten." Ein Problem sei auch, dass durch Fake News und Legenden ein Gemeinschaftsgefühl entstehe. Davor schützte auch Bildung nicht, "eher rechts stehende Menschen glauben mehr daran". Dagegen halten kann man ihrer Meinung nach nur mit einer "stringenten Kommunikation". "Ich glaube, dass Wissenschaft auch lernen muss zuzuhören."

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