Innenpolitik

Anschober: "Maßnahmen wirken, aber wir sind noch lange nicht am Ziel"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober und Innenminister Karl Nehammer weckten am Freitag erste Hoffnungen auf positive Entwicklungen, warnten aber vor verfrühter Euphorie. Außerdem wurden Zielgruppentests für bestimmte Gruppen angekündigt. Auch Antikörpertests könnten bald zum Einsatz kommen.

Innenminister Nehammer und Gesundheitsminister Anschober. SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Innenminister Nehammer und Gesundheitsminister Anschober.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober wandte sich am Freitag mit positiven Nachrichten an die Bevölkerung, warnte aber vor Euphorie: "Die Maßnahmen beginnen zu wirken, aber wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte Anschober in einer Pressekonferenz. Derzeit gibt es 7040 Corona-Erkrankungen in Österreich. Der Zuwachs innerhalb von 24 Stunden liegt bei 18 Prozent. Zum Vergleich: Vor zwei Wochen lag die Zuwachsrate noch bei bis zu 40 Prozent pro Tag. "Das ist ein Hoffnungsfaktor für die Bevölkerung, aber es ist noch viel viel zu früh, um positive Signale zu setzen", warnt Anschober. Das erklärte Ziel der Regierung sei, bis Ostern ein einstelliges tägliches Wachstum zu erreichen. Anschober rechnet zwischen Mitte April und Mitte Mai mit dem Höhepunkt der Erkrankungen.

Genaue Zwischenbilanz zu Wirksamkeit von Maßnahmen am Montag

Genauere Informationen zur Wirksamkeit der Maßnahmen werden am Wochenende analysiert und am Montag präsentiert, kündigte Anschober an. Positiv stimmte den Gesundheitsminister, dass die Prognosen der Experten bezüglich der Zuwachsraten stimmen: "Wir können uns auf die Prognosen verlassen, das ist wichtig, weil auch die Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern darauf basieren."

Künftig werden nicht nur Verdachtsfälle, sondern auch Schwerpunktgruppen getestet


Bisher wurden 40.000 Coronatests in 40 Laboren in Österreich durchgeführt. Täglich könnten nun 15.000 bis 17.000 Testungen durchgeführt werden, die Rohstoffe (Reagenzien) für die Tests seien jedoch weiterhin schwer zu bekommen. Derzeit werden nur sogenannte Verdachtsfälle getestet. Diese Testungen sollen künftig um Zielgruppentestungen erweitert werden. So sollen bestimmte Schwerpunktgruppen, die als Multiplikatoren andere Menschen anstecken könnten, proaktiv getestet werden. Dazu zählen etwa Pfleger/innen oder Betreuer/innen von älteren Menschen.


Große technologische Fortschritte bei Antikörpertests

Große Fortschritte gebe es einstweilen bei den Antikörpertests, informierte Anschober. Antikörpertests werden als große Chance betrachtet, weil sie erkennen, ob eine Person Corona-Antikörper im Blut hat - und somit die Erkrankungen bereits gehabt hat, möglicherweise ohne erkennbare Symptome gehabt zu haben. Wer Antikörper im Blut hat, gilt als immunisiert. "Je mehr Menschen immun sind, desto besser ist es für die Gesellschaft", erklärte Anschober. Von einer Herdenimmunisierung könne man ab einem Anteil von etwa 60 Prozent sprechen.

Spuckattacken und Coronaparties: "Die Behörden strafen konsequent"

Innenminister Karl Nehammer appellierte noch einmal an die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger: "Halten Sie durch. Auch wenn es einen Silberstreifen am Horizont gibt, ist es umso notwendiger, sich an die Maßnahmen zu halten. Menschen, die sich nicht daran halten, sind Lebensgefährder und bringen die Einsatzkräfte in Gefahr."


Nehammer verurteilte rücksichtloses Verhalten und nannte als Beispiele Spuckattacken auf Polizeibeamte, "Coronaparties" und das Verschweigen einer bestätigten Corona-Erkrankung: "Die Behörden strafen konsequent." 3600 Euro müssen Privatpersonen zahlen, wenn sie sich nicht an die Maßnahmen halten. Bereits 6900 solcher Anzeigen wurden erstattet, meistens wegen Menschenansammlungen, die sich nicht auflösen wollten. Bis zu 30.000 Euro Strafe können für Lokale anfallen, die trotz Verbot aufsperren. Nehammer warnte auch vor Trickbetrügern, die sich speziell ältere Menschen als Opfer aussuchen: "Bitte seien Sie vorsichtig. Wenn Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an die Polizei."

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Quelle: SN

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