Innenpolitik

Anschober: "Wir könnten bereits im Jänner mit ersten Coronaimpfungen starten"

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) gab in einer Pressekonferenz einen Ausblick auf die kommenden Monate. Anfang nächsten Jahres könnte es erste Impfungen in Österreich geben.

Einen Appell für erneuten körperlichen Abstand und gesellschaftlichen Zusammenhalt richtete der Gesundheitsminister heute an die Österreicherinnen und Österreicher. Denn die kommenden Monate werden aus Sicht der Gesundheitspolitik "extrem fordernd". Anschober gab einen Ausblick auf die "Phase vier" bei der Coronabekämpfung. Darunter versteht man im Gesundheitsministerium "die Zeit ab Schulbeginn bis zum Vorliegen einer Impfmöglichkeit mit mehr Infektionsfällen und mehr Risiko insgesamt". Neben Corona werden sich andere Infektionskrankheiten wie die Influenza in Österreich ausbreiten und das Gesundheitssystem belasten.

Mögliche Coronaimpfung im Jänner?

Aber Anschober denkt auch schon weiter. "Ich weiß nicht, wie lange die Phase vier dauert. Aber es könnte möglich sein, dass wir Anfang des nächsten Jahres eine nächste Phase erreichen", sagt Anschober und spricht eine mögliche Impfung an. "Wir könnten bereits im Jänner mit ersten Coronaimpfungen starten", sagte er vorsichtig optimistisch. Voraussetzung seien ein wirksamer und sicherer Impfstoff und eine Marktzulassung. Mit einer Impfung sei ein wesentlicher Schritt erreicht, aber noch nicht alle Probleme gelöst. "Es stellen sich viele Fragen: Wie lange hält die Impfung? Wie viele Menschen lassen sich impfen? Wir wissen, dass wir eine niedrige Impfquote haben in Österreich", sagt Anschober. "Wir werden um jeden werben, damit wir eine hohe Impfquote haben."

"Ja, wir hatten in den ersten Tagen Probleme"

Zu Beginn seines Ausblicks gab es von Anschober aber einen Rückblick: "Wir sind vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen", sagte er als Resümee, nachdem er sich in seiner Ansprache an die Herausforderungen der vergangenen Monate erinnert hatte. "Wir haben kurz nach der Angelobung gespannt nach China geblickt, weil sich dort eine Pandemie angebahnt hat, wie wir sie seit 100 Jahren nicht mehr gehabt haben." Gefolgt von einer wirtschaftlichen und sozialen Krise. "Ja, wir hatten in den ersten Tagen der Pandemiebekämpfung Probleme. Stichwort Ischgl", sagte Anschober. Das müsse nun aufgeklärt werden. Aber die Pandemiebekämpfung in Österreich habe dann gut funktioniert. "Wir haben dann die richtigen Maßnahmen gesetzt und die Bevölkerung hat Verantwortung übernommen. Danke dafür." Genau diese Punkte brauche es nun auch, um gut durch die kältere Jahreszeit zu kommen. "Auch ich sehne mich danach, dass die Coronakrise bald vorbei ist." Aber Österreich habe noch eine schwierige Zeit vor sich. "Zur Coronabekämpfung brauchen wir außerdem ein wirksames Medikament und möglichst bald eine gute Impfung." Im Gesundheitsministerium spricht man hier von der "Phase vier".

Das Gesundheitsressort sei laut Anschober in den vergangenen Monaten gefordert gewesen. Laut dem grünen Minister hat das Ressort 190 Verordnungen verwirklichen müssen. "Drei davon waren in die Kritik geraten", sagte Anschober und meinte damit jene, die zum Teil vom Verfassungsgerichtshof gekippt worden waren. Weiters wurden laut Anschober 144 Rechtsakte erlassen, 11.000 Anfragen in der Rechtsabteilung und 105.000 generelle Anfragen zu Corona im Gesundheitsministerium bearbeitet. Zudem habe es 1,9 Millionen gesundheitsbehördliche Kontrollen an den Grenzen gegeben.

Influenza als zusätzliche Herausforderung

Zuletzt habe sich die Verbreitung des Virus verändert. Zunehmend seien nun junge Menschen betroffen. Die Zahlen gehen klar nach oben: Mitte Juli gab es 1300 aktive Fälle, derzeit liege man bei rund 3500. Das sei auf Cluster in Familien, auf Reiserückkehrerinnen und -rückkehrer und eine klare Teststrategie in riskanten Bereichen zurückzuführen. Aber man müsse auch sagen: Die Zahl der aktiven Fälle "ist zu früh zu hoch". Andererseits: "Die Sterblichkeitsrate ist gesunken. Es gab kaum Steigerungen bei Todeszahlen und belegten Intensivbetten."

Trotzdem gelte es nun die Kräfte zu sammeln, um für den Herbst gerüstet zu sein. "Wir wissen jetzt, was hilft: Abstand halten, soziale Kontakte reduzieren, Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen, Hygienemaßnahmen", sagte Anschober. Das sei insofern wichtig, als sich das Leben nun vom Freien in die Innenräume verlagere. "Ja, in Phase vier droht die zweite Welle", warnte Anschober. Vor allem die Influenza sei eine zusätzliche Belastung für das Gesundheitssystem. "Hier gibt es jedes Jahr rund 100.000 Erkrankte." Die Grippeimpfung werde deshalb für Kinder und ältere Menschen gratis sein.

Opposition übt Kritik: "Verwirrende Signale"

SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher kritisierte die Erklärung des Gesundheitsministers als einen "Wettlauf der schwarz-grünen Eitelkeiten", der keine Antworten auf Fragen gebracht habe, denn "wir wissen noch nicht einmal, wie die Kriterien der Ampel, die seit Monaten angekündigt wird, aussehen werden." Ob das Gesundheitssystem auf die steigende Zahl von Tests, die es in der Erkältungszeit geben werde, vorbereitet ist, ob genug Grippe-Impfstoffe und Nasenspray-Grippeimpfstoffe für Kinder vorhanden seien, wisse man ebenso nicht. "Auch die Informationen, wie man in den Schulen mit der Schnupfenzeit umgehen soll - Stichwort Gurgeltests", sei nicht gekommen.

FPÖ-Bundesparteiobmann Hofer wies darauf hin, dass das österreichische Gesundheitssystem von einer Überlastung "meilenweit entfernt" sei, trotz steigender Fallzahlen - daher sei die "Panikmache einzustellen. Ebenso kritisierte er Anschobers Ansage, dass die Regeln für den Wintertourismus bis Ende September vorgelegt werden: "Das ist viel zu spät für die Tourismuswirtschaft und wird weitreichende negative Auswirkungen auf die Wintersportregionen und die dort Beschäftigten haben."

Vonseiten der Neos hieß es, dass der "Wettbewerb der Erklärungen" gegensätzliche und verwirrende Signale gebracht habe. "Während Anschober am Weg festhalten möchte, den Lockerungen Chancen zu geben", kündigte Kurz gestern mögliche neue Verschärfungen an, so Gerald Loacker, Vize-Klubobmann der Neos. Zur Ankündigung Verordnungen, die in Grundrechte eingreifen, im Hauptausschuss des Nationalrates zu behandeln, stellte er fest: "eine Behandlung werde nicht reichen. Der Hauptausschuss muss auch zustimmen."

Aufgerufen am 24.09.2020 um 06:06 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/anschober-wir-koennten-bereits-im-jaenner-mit-ersten-coronaimpfungen-starten-92237068

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