Innenpolitik

Asylbescheid gegen Homosexuellen zieht international Kreise

Für Spott und international mediales Aufsehen sorgt ein negativer österreichischer Asylbescheid an einen homosexuellen Afghanen, von dem die Wochenzeitung "Falter" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. "Die irrste Abschiebebegründung Europas" titelte etwa die deutsche "Bild" (http://go.apa.at/YS71oLQW). Auch die ZDF "heute"-Show berichtete via Social Media, ebenso die französische Agentur AFP.

Symbolbild SN/APA (dpa)/Uli Deck
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Anlass sind die Begründungen, mit denen dem Mann vom Bundesamt für Fremdenwesen Asyl verweigert wurde. "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten", schrieb ein Asylbeamter der Regionalstelle Wiener Neustadt: "Sie sind nicht homosexuell und haben daher bei Ihrer Rückkehr nach Afghanistan nichts zu befürchten."

Weitere genannte Klischees: Der Jugendliche habe sich mit anderen gestritten. "Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre." Auch dass der junge Afghane nur wenige Freunde habe, ist aus Sicht des Beamten ein Indiz für seine Heterosexualität. "Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?", steht im negativen Asylbescheid. Dass der Mann gerne allein oder in kleineren Gruppen unterwegs ist, wird ihm auch negativ ausgelegt. "Auch das passt nicht zu einem angeblich Homosexuellen."

Glaubwürdig sei auch nicht, dass der Afghane aussagte, er habe nicht homosexuelle Buben geküsst. "Hätten Sie das tatsächlich bei einem nicht homosexuellen Jungen gemacht, dann hätten Sie furchtbare Prügel bezogen."

Der Bescheid aus der ersten Instanz ist nicht rechtskräftig, der junge Afghane hat Berufung eingelegt.

Quelle: APA

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