Innenpolitik

Bischof Chalupka plädiert für Vertrauen in die Wissenschaft

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka plädiert dafür, die Wissenschaft ernst zu nehmen - auch über die Corona-Krise hinaus. Dass die Forschung derzeit großes Vertrauen genießt, sei "angenehm anders, als es etwa beim Klimawandel ist", sagte er im APA-Interview. Eine weitere Verfassungsbeschwerde gegen die Karfreitagsregelung sei angesichts der Lage gerade nicht Thema.

Karfreitagsregelung für Chalupka derzeit kein Thema SN/APA (Archiv)/ROLAND SCHLAGER
Karfreitagsregelung für Chalupka derzeit kein Thema

Es ist zwar Zufall, dass die weltweite Ausbreitung des Coronavirus in die Karwoche fällt, dennoch wird für den Bischof die Botschaft des Karfreitag gerade jetzt deutlich. Lange habe man geglaubt, dass in diesen Zeiten nichts Ungeplantes passieren könne. Und jetzt sei die Verletzlichkeit unseres Lebens und unserer Gesellschaft plötzlich so spürbar wie selten zuvor. "Das Bedenken der Endlichkeit menschlichen Lebens, die sich in Leiden und Sterben Jesu zeigt, gehört mit einem Schlag zu unserem Alltag", so Chalupka.

Mehrere Lehren können für den evangelischen Bischof aus der Pandemie gezogen werden. "Krisen wie diese erfordern einen gesellschaftlichen Zusammenhalt", ist eine davon. Man müsse immer auch auf die besonders Schutzbedürftigen schauen und dürfe Hilfsbedürftigkeit nicht abwerten. Weiters stehe gerade jetzt der Schutz des Lebens im Zentrum. Dass dies keine Frage des Geldes sein sollte, müsste auch weiterhin politischer Grundsatz bleiben, etwa bei den Themen Migration und Klimaschutz.

"Die Krise trifft Menschen auf unterschiedliche Weise", merkt Chalupka aber an und meint dabei etwa jene in beengten Wohnverhältnissen, aber auch ältere Personen, die nun isoliert sind. Die evangelische Diakonie, deren Direktor der nunmehrige Bischof war, unterstützt deshalb den Vorschlag, Mindestsätze über die Ausgleichszulage auf 1.000 Euro befristet anzuheben. In der Pflege tätige Menschen müssten zudem mehr getestet und geschützt werden.

Grundrechte sieht Chalupka durch die derzeit geltenden Ausgangsbeschränkungen durch die Regierung nicht in Gefahr: "Ich mache mir keine Sorgen." Dies betrifft auch nicht die Corona-App des Roten Kreuzes. Eine Nutzung kann sich der Bischof vorstellen - solange diese freiwillig ist. Wichtig sei aber auch, dass trotz Krise Kritik an der Politik erlaubt ist. Diese müsse ihre Entscheidung begründen und transparent agieren.

Solche Kritik übte die evangelische Kirche etwa an der Karfreitagsregelung der Regierung, bereits zum zweiten Mal ist dieser höchste Feiertag der Protestanten kein gesetzlicher mehr. Ein erster Anlauf vor dem Verfassungsgerichtshof (VfGH) endete in einer Abweisung. Nun will die Kirche den Instanzenweg über einen Einzelfall gehen. Die Corona-Krise verzögert aber auch dies. Chalupka: "Im Moment ist das nicht das Thema."

Dennoch steht der Karfreitag für Protestanten als Feiertag an erster Stelle,. Dass die gemeinsamen Gottesdienste an diesem Tag krisenbedingt nicht stattfinden können, ist für Chalupka "schmerzlich". Das gemeinsame Abendmahl mit der Gemeinde sei so liturgisch nicht möglich. Stattdessen feiert der Bischof einen Fernsehgottesdienst in kleinster Besetzung, der für alle Gläubigen aus dem Evangelischen Zentrum übertragen wird.

Die Situation erinnert den Bischof auch an die Geschichte seiner Kirche, konkret an die Gegenreformation, als verfolgte Protestanten Hausgottesdienste feiern mussten. Dass sich dies bald wieder ändert, hofft auch Chalupka. Die Religionsgemeinschaften seien im ständigen Kontakt mit der Regierung. Er hofft vorsichtig, dass man zu Pfingsten wieder zusammen feiern kann.

Quelle: APA

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