Innenpolitik

Bischofskandidaten kritisieren neue Karfreitagsregelung

Die evangelische Kirche A.B. kürt am 4. Mai den Nachfolger ihres Bischofs Michael Bünker. Kandidaten für die Bischofswahl sind der ehemalige Diakonie-Direktor Michael Chalupka, Kärntens Superintendent Manfred Sauer und Pfarrer Andreas Hochmeir, der dem konservativen Flügel zugerechnet wird. In APA-Interviews zeigten sich die Kandidaten einig in ihrer Kritik an der neuen Karfreitagsregelung.

Michael Chalupka ist der prominenteste der drei Bischofskandidaten SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Michael Chalupka ist der prominenteste der drei Bischofskandidaten

Als ehemaliger Direktor der Diakonie ist Michael Chalupka der wohl bekannteste Kandidat für die evangelische Bischofswahl am 4. Mai. Als langjähriger Diakonie-Direktor hatte er sich regelmäßig zu tagespolitischen Themen weitgehend unverblümt geäußert. Vor allem aufgrund seines Einsatzes für Armutsbekämpfung und Flüchtlinge hat er sich als linksliberales Aushängeschild der evangelischen Kirche einen Namen gemacht.

"Wir sollten uns nicht kleiner machen als wir sind", meint er zum Status seiner Kirche im APA-Interview - nicht zuletzt aufgrund der Karfreitags-Debatte. In der Frage des gestrichenen Feiertags für die Protestanten erwartet er sich ein Zeichen von der Regierung. Dem "Ruf" aus den Diözesen ist Chalupka gerne gefolgt, wie er sagt, die Nominierungen hätten ihn "mit Respekt erfüllt". Chalupka kennt die Kirche auf sehr verschiedene Weisen, wie er betont: aus den Pfarrgemeinden, dem Bildungsbereich und der Diakonie heraus. Dementsprechend will der 58 Jahre alte gebürtige Grazer die Bedeutung der evangelischen Kirche A.B. wieder hervorheben, insbesondere in einer "säkularer werdenden Welt".

Zur Entscheidung der evangelischen Synode, künftig auch homosexuelle Paare segnen zu können, steht Chalupka. Die Entscheidung den Gemeinden selbst zu überlassen sei aber kein "Kompromiss", wie oft betont wurde. Und auch über die heftige Diskussion darüber, die beinahe die Kirche gespalten hat, zeigt sich der Bischofskandidat nicht verwundert. Unterschiedliche Positionen gebe es in jeder Gemeinde.

Der Pfarrer Andreas Hochmeir, jüngster und am wenigsten bekannter Kandidat für den evangelischen Bischof, will nach der Diskussion um die Segnung homosexueller Paare die Lager wieder einen. "Ich stehe zu dem, was beschlossen wurde", sagte er im APA-Interview. Nun sei es wichtig, den Beschluss in die Praxis umzusetzen. Mit seinen 44 Jahren verspricht der Pfarrer, der einer klassischen oberösterreichischen Toleranzgemeinde entstammt, einen "frischen, jungen Blick" für seine Kirche.

In der Karfreitags-Debatte sucht er eine gute Gesprächsbasis mit dem Parlament und der Regierung Regierung. Die Zukunft des Karfreitags sieht Hochmeir bei der aktuellen Kirchenführung "in guten Händen". Er verweist dabei auf die angekündigten Verfassungsbeschwerden. Der Verlust des Karfreitags als Feiertag sei jedenfalls "sehr schmerzhaft", da dieser zur evangelischen Identität dazu gehöre.

Als Herausforderung und Faszination zugleich bewertet Manfred Sauer, evangelischer Superintendent in Kärnten, das Bischofsamt, für das er sich als dritter Kandidat neben Chalupka und Hochmeir bewirbt. Er sehe die Möglichkeit, seine Erfahrungen in diesen größeren Kontext stellen zu können, daher habe er sich zur Kandidatur entschlossen, so Sauer im APA-Interview. Dabei sei ihm klar, dass er aufgrund seines Alters von 58 Jahren ein "Übergangskandidat" wäre.

Die Frage, ob er die evangelischen Gläubigen in Österreich als "Christen zweiter Klasse" sehe, verneinte Sauer: "Eigentlich nicht, wir sind aber eine Minderheit. In Kärnten ist es etwas besser, weil hier die Zahl der Evangelischen doch bei zehn Prozent liegt." In der großen Ökumene habe sich vieles geändert, es gebe auch eine gute Zusammenarbeit sowohl mit der katholischen als auch mit der orthodoxen Kirche.

Die Abschaffung des Karfreitags als religiöser Feiertag bezeichnete Sauer nach wie vor als "inakzeptabel". Dabei übte er Kritik an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP): "Die Aussage von Kurz, dass davon ja nur vier Prozent betroffen sind, hat große Irritation ausgelöst, das ist zynisch und herablassend." Man werde weiter um den Karfreitag als Feiertag kämpfen, er unterstütze auch die geplante Verfassungsklage voll und ganz.

Sauer spricht sich klar dafür aus, die Segnung homosexueller Paare während des Gottesdienstes zu gewähren. "Wir haben bisher differenziert und die Segnung von Homosexuellen auch nicht in die Bücher eingetragen, das soll nicht mehr sein." Das Thema habe innerkirchlich enorme Spannungen ausgelöst, "meine Hoffnung ist, dass wir mit dieser Spannung leben können". Er halte die getroffene Regelung, dass Pfarrgemeinden selbst entscheiden können, ob sie homosexuelle Paare gleichstellen, für gut. "Wir sind selbst eine Minderheit, und als solche hat man eine andere Sensibilität", erklärte der Superintendent.

Öffentlichkeitswirksam hat sich auch Sauer im Laufe seiner Amtszeit als Superintendent positioniert. Zuletzt durch seinen Einsatz für den Erhalt des Karfreitag-Feiertages mit einer Online-Petition und einem Schweigemarsch in Klagenfurt gegen dessen Streichung. Für Wirbel sorgte er vor Jahren mit seinem Lob für Jörg Haider in einem Hirtenbrief nach dessen Unfalltod. Die ehemalige Superintendentin Gertraud Knoll trat danach aus Protest aus der Kirche aus.

Die Wahl des Nachfolgers von Bischof Bünker wird am 4. Mai in Wien im Rahmen einer Synode erfolgen. Für die Wahl braucht einer der Kandidaten eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen. Die Nominierung der Bischofskandidaten erfolgte durch die Superintendentialversammlungen in den sieben einzelnen Diözesen.

Quelle: APA

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