Innenpolitik

Bogner-Strauß sieht Fokus auf Gewaltprävention bestätigt

Das Haus in Wien-Favoriten ist ganz unscheinbar, am Portal weist nur ein kleines Türschild auf die Männerberatung im Dachgeschoß hin. Und dort, wo normalerweise die Burschen und Männer Platz nehmen, sitzt am Donnerstagnachmittag Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). Sie informierte sich passend zu ihrem Schwerpunkt Gewaltschutz anlässlich des Frauentags über die Arbeit der Einrichtung.

Juliane Bogner-Strauß im Gespräch mit Alexander Haydn SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Juliane Bogner-Strauß im Gespräch mit Alexander Haydn

Die Berichterstattung über die Frauenmorde in den vergangenen Wochen habe gezeigt, dass sich vermehrt Frauen an Frauenhäuser und Männer an Männerberatungsstellen wenden, so Bogner-Strauß. Diese Erfahrung bestätigte Alexander Haydn von der Männerberatung in der Senefeldergasse. In der Beratungsstelle landen die Männer entweder "eingeschränkt freiwillig", wenn etwa die Partnerin oder der Bruder sagen "So geht es nicht weiter" oder aufgrund einer Weisung nach einer Verurteilung. Manchmal wird auch über die Jugendwohlfahrt ein Kontakt hergestellt.

Männerberatung sei aber mehr als Gewaltschutz, so Haydn. Oft gehe es um berufliche Probleme, das eigene Männerbild, manche wurden selbst Opfer von Gewalt, man leiste Prozessbegleitung oder präventive Jugendarbeit. Der Journaldienst in der Einrichtung sei so etwas wie ein "Auffangbecken", nach einem ersten Gespräch werden die Männer dann den entsprechenden Angeboten zugewiesen.

Eine enge Kooperation gebe es auch mit den Frauenhäusern, zum einen gehe es dabei um die Buben, die mit ihren Müttern dort untergebracht sind, zum anderen um klärende Gespräche zwischen den Frauen und den Männern. Will etwa eine Frau zurück in die Beziehung, gelte es, die Bedingungen zu diskutieren. Oder man möchte die Trennung organisieren, erklärte der Leiter der Männerberatung Jonni Brem.

Bogner-Strauß sah nach dem Besuch in Favoriten die Schwerpunkte der Task Force Strafrecht zum Gewaltschutz bestätigt: "Wir sind auf dem richtigen Weg." Es habe sich gezeigt, dass die Prävention so früh wie möglich, schon bei Kindern und Jugendlichen, ansetzen soll. Besonders hob sie auch hervor, dass Täter künftig sofort nach der Wegweisung Beratung in Anspruch nehmen sollen. "Die Täterarbeit soll aber nicht gratis sein", um sie leistbar zu gestalten, verwies Bogner-Strauß auf eine Staffelung: "Wir sind schon der Meinung, dass das die Täter selbst zahlen sollen. Gewalt kommt in allen Gesellschaftsschichten vor."

Die Vertreter der Männerberatung begrüßen die Pläne zur Täterarbeit und die verpflichtende Betreuung im Zuge einer Wegweisung. Haydn sprach sich jedoch für ein niederschwelliges Angebot aus: "Wir wollen niemanden abschrecken", niemand werde von der Einrichtung weggewiesen. Grundsätzlich sei die Arbeit nach häuslicher Gewalt auch keine kurzfristige, es brauche langfristige Betreuung.

Quelle: APA

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