Innenpolitik

Bund kauft Medizin-Studienplätze an Paracelsus Universität

Der Bund kauft befristet Studienplätze an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Insgesamt sollen für je 25 Anfänger-Studienplätze der Jahre 2018 bis 2020 drei Mio. Euro fließen, bestätigte man im Wissenschaftsministerium. Gleichzeitig verpflichtet sich die PMU vertraglich, dass ein bestimmter Prozentsatz der Studenten nach Ende der Ausbildung in Österreich bleibt.

Staat finanziert Studienplatz SN/APA (Archiv/Symbolbild)/ROBERT J
Staat finanziert Studienplatz

Als Grund für den Zukauf wird im Ministerium auf APA-Anfrage der Ärztebedarf in der Region durch den Abfluss von Medizinern nach Bayern genannt. Daher soll bis zum für spätestens 2028 geplanten Vollausbau der Medizin-Fakultät Linz befristet der Bedarf durch die Kooperation mit der PMU gedeckt werden. Die Studenten absolvieren ihre gesamte Ausbildung dabei an der Privatuni - diese bietet (vor allem durch die Nutzung von Ferienzeiten) eine kürzestmögliche Studiendauer von fünf Jahren an.

Kritik kommt von der Universitätenkonferenz (uniko). Denn aus Sicht der uniko ist die Maßnahme unnötig: Einerseits könnten die staatlichen Universitäten dies auch leisten, hieß es im "Morgenjournal". Für den Rektor der Medizinuni Wien, Markus Müller, stellt sich überhaupt die Frage, ob es zusätzliche Ausbildungsplätze überhaupt braucht. Das Problem bestehe ja nicht in zu wenigen Medizin-Absolventen, sondern darin, dass diese Österreich verlassen. Müller hält das Vorgehen des Wissenschaftsministeriums für einen "seltsam konstruierten Weg, hier öffentliche Gelder einer privaten Universität zukommen zu lassen, um noch mehr Studienplätze zu schaffen".

Im Ministerium verweist man darauf, dass an den öffentlichen Unis die - auch räumlichen - Kapazitäten derzeit ausgeschöpft seien. Die Maßnahme sei außerdem befristet und die Möglichkeit dazu explizit im Privatuniversitätengesetz festgehalten.

Der Rektor der Universität Linz, Meinhard Lukas, hält den Kauf von Studienplätzen an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität durch das Wissenschaftsministerium unterdessen für eine "sehr bemerkenswerte Maßnahme". "Es muss Priorität haben, dass die Absolventen in Österreich gehalten werden. Es ist hochgradig ineffizient, immer nur an den Studienplätzen zu feilen", so Lukas zur APA.

Der Bund kauft in den Jahren 2018 bis 2020 für jeweils drei Mio. Euro 25 Anfänger-Studienplätze an der Salzburger Privatuni. Diese verpflichtet sich umgekehrt, dass ein bestimmter Prozentsatz der Studenten, die die üblichen Studiengebühren der PMU in Höhe von knapp 15.000 Euro pro Jahr bezahlen müssen, nach Ende der Ausbildung in Österreich bleibt - sonst fließt weniger Geld. Begründet wird die befristete Maßnahme mit dem Ärztebedarf in der Region, da die Medizin-Fakultät der Universität Linz erst im Aufbau ist.

"Da zeigt sich aber auch in aller Dramatik, wie wichtig die Gründung der Medizin-Fakultät war", bemerkte Lukas. "Wenn man sich die Debatte vor vier Jahren ansieht, hat man hat ja österreichweit bezweifelt, dass man die Fakultät braucht."

Auf die Frage, ob die zusätzlichen Studienplätze nicht an den staatlichen Unis geschaffen hätten werden können, meinte Lukas: "Ich gestehe dem Ministerium zu, dass die Kapazitäten an allen Standorten knapp sind." Man müsse konkret prüfen, was noch machbar sei. In Linz sei man etwa noch im Aufbauprozess, in dem man besonders auf Qualität achten müsse.

Die zusätzlichen Ausbildungsplätze allein würden den Ärztebedarf jedenfalls nicht decken. "Die 25 Plätze haben ja keinen sehr hohen Wirkungsgrad - selbst wenn alle in Österreich bleiben", so Lukas. Es brauche eine "gemeinsame Kraftanstrengung von Wissenschafts- und Gesundressorts wie auch der Universitäten, um zu klären, was man tun könne, um mehr Absolventen in Österreich zu halten."

Aufgerufen am 06.12.2021 um 07:16 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/bund-kauft-medizin-studienplaetze-an-paracelsus-universitaet-21304108

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