Innenpolitik

Bundespräsidentenwahl: Zittern bis Weihnachten

Das Hofburg-Duell geht in die Endphase. Doch die Ungewissheit, wer Bundespräsident wird, ist mit dem Wahltag noch lange nicht vorbei.

Bundespräsidentenwahl: Zittern bis Weihnachten SN/apa
Einer wird gewinnen: Van der Bellen oder Hofer.

Mitunter erzielen politische Aktivisten einen größeren Erfolg, wenn sie eine Veranstaltung absagen, statt sie abzuhalten. Die "Jugend für Van der Bellen" verzichtete kurzfristig darauf, wie geplant und angekündigt am Einkaufssamstag auf Wiens belebtester Einkaufsmeile, der Mariahilfer Straße, eine Raddemonstration für den grün-unterstützten Präsidentschaftskandidaten abzuhalten.

Schön für die Einzelhändler, deren Obmann sich am Samstag artig bei den Nichtveranstaltern für deren Verständnis bedankte. Schlecht für FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer, dem das programmierte grüne Radler-Chaos mitten im Einkaufstrubel wohl manchen Sympathiepunkt eingebracht hätte.

Von TV-Show bis Internet-Chat

Die übrigen für die letzte Woche vor der Hofburg-Stichwahl geplanten Wahlkampfveranstaltungen werden wohl wie geplant über die Bühne gehen. Eine kleine Auswahl: Nach dem Kandidatenduell gestern, Sonntag, auf ATV treffen die beiden Kandidaten Donnerstagabend im ORF zur letzten großen Konfrontation aufeinander. Zwischendurch etliche Livechats für diverse Medien, Interview- und kleinere öffentliche Auftritte. Den Freitag haben beide Kandidaten für ihre Abschlusskundgebungen reserviert. Um 10 Uhr bittet Norbert Hofer zu diesem Zweck ins Wiener Börsegebäude, ein von Theophil Hansen im besten Ringstraßenstil erbautes Baujuwel. Alexander Van der Bellen schließt seinen Wahlkampf um 17 Uhr in der Lloonbase ab, einem trendigen ehemaligen Fabriks- und nunmehrigen Veranstaltungsgebäude in Favoriten.

Länger zittern als sonst

Am Sonntag beginnt für die beiden Kandidaten das große Zittern, das länger dauern wird als bei sonstigen Wahlen. Wird das Ergebnis so knapp wie bei der aufgehobenen Stichwahl am 22. Mai - damals hatte Van der Bellen mit 50,35 Prozent einen Minivorsprung von 30.863 Stimmen -, wird man wohl auf die Wahlkartenauszählung warten, ehe das Ergebnis feststeht. Nach den Erfahrungen der letzten Stichwahl, bei der Schlampereien bei der Briefwahlzählung zur Aufhebung geführt hatten, werden es diesmal die Wahlbehörden besonders genau nehmen. Das Endergebnis könnte also erst am Dienstag nach der Wahl vorliegen.

Doch auch dann gibt es noch Unsicherheiten über die Person des nächsten Staatsoberhauptes. Denn auch diesmal kann das Wahlergebnis beim Verfassungsgerichtshof angefochten werden. Und zwar eine Woche lang nach der Verlautbarung des amtlichen Wahlergebnisses durch die Bundeswahlbehörde am 15. Dezember. Ficht kein Kandidat die Wahl an, werden die Österreicher kurz vor Weihnachten - am 22. Dezember - ganz fix wissen, wer ihr nächstes Staatsoberhaupt ist. Auf die gewohnte Neujahrsansprache müssen sie dennoch verzichten: Denn angelobt wird Fischers Nachfolger erst am 26. Jänner. Bis dahin führen die drei Nationalratspräsidenten die Amtsgeschäfte.

Am 26. Jänner steht übrigens die Tiroler ÖVP-Bundesrätin Sonja Ledl-Rossmann im Mittelpunkt. Als Präsidentin der Länderkammer wird sie die Angelobung vornehmen.

Quelle: SN-A.k., Apa

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