Innenpolitik

Corona-App: Noch ist Überzeugungsarbeit nötig

Über 570.000 Nutzer in Österreich - Regierung und Rotes Kreuz setzen weiter auf Freiwilligkeit.

Mehr als 570.000 Mal wurde die App inzwischen heruntergeladen. SN/APA/HARALD SCHNEIDER
Mehr als 570.000 Mal wurde die App inzwischen heruntergeladen.

"Jeder wird eine App haben", hatte Kanzlerberaterin Antonella Mei-Pochtler am Montag der "Financial Times" erklärt - und damit die Diskussion um die Freiwilligkeit von Smartphone-Apps zur Eindämmung des Coronavirus in Österreich befeuert. Vor allem Mei-Pochtlers Andeutung, dass die Regierung überlege, die Nutzung Einreisenden vorzuschreiben, irritierte.

Am Dienstag stellten deshalb beide Koalitionspartner erneut klar: Die App zur besseren Verfolgung von Corona-Infektionen bleibt freiwillig. Digitales Kontaktmanagement sei kein Muss, könne aber eine Ergänzung sein, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) versicherte: "Freiwilligkeit ist das Gebot."

Diesen Ansatz verfolgt auch das Rote Kreuz, das die von der Regierung forcierte App "Stopp Corona" entwickelt hat. "Die App war von Beginn an als freiwillige App gedacht. Mittlerweile gibt es auch politisch eine breite Mehrheit für die freiwillige Nutzung, was sehr sinnvoll ist", sagte Bundesrettungskommandant Gerry Foitik. Er hatte schon vor einem Monat betont, dass er Zwang für keinen guten Motivator halte. Man setze auf Freiwilligkeit.

Mit welchem Erfolg? Inzwischen haben mehr als 570.000 Menschen die App in Österreich heruntergeladen. Und man verzeichne in den vergangenen Wochen stetigen Zuwachs, bestätigte das Rote Kreuz auf SN-Anfrage. Wie viele User es brauche, um wirklich effektiv zu sein, lasse sich laut Foitik schwer quantifizieren, "aber je mehr Personen die App nutzen, desto wirksamer ist sie." Wichtig sei vor allem die Nutzung durch Personen, die viele Kontakte haben. In den nächsten Tagen werde sie daher verstärkt über alle Kanäle beworben.

Klar ist nämlich: Es wird noch weitere Überzeugungsarbeit brauchen. Denn viele Experten sind sich einig: Solche "Tracing-Apps" entfalten nur dann die erhoffte Wirkung, wenn sie mehr als 50 Prozent der Bevölkerung auf ihre Mobiltelefone laden. Dann hilft die Technik effektiv die Ansteckungskette zurückzuverfolgen und Personen zu warnen, die einem Infizierten nahe gekommen sind.

Im Hintergrund arbeiten die Entwickler der Rotkreuz-App daher auch laufend an technischen Verbesserungen. Wie Gesundheitsminister Anschober am Dienstag betonte, sei zudem eine möglichst gute Verknüpfung mit Anwendungen aus den Nachbarländern das Ziel. Denn von Tracing-Apps verschiedener Länder, die miteinander kommunizieren, ist man noch weit entfernt. Die EU-Staaten sind auch unterschiedlich weit in der Entwicklung und Anwendung.

Deutschland will etwa im Mai eine offizielle App anbieten. Frankreich plant den Start für Anfang Juni, wird dabei allerdings nicht auf die Schnittstellen der US-Firmen Google oder Apple zurückgreifen. Die italienische Regierung hat erst in der Vorwoche beschlossen auf eine App zu setzen. Polen steht vor der Einführung und Tschechien testet einen Prototypen in drei Regionen. Bei allen Unterschieden herrscht zumindest in zwei Punkten Einigkeit: Erlaubt ist nur, was im Einklang mit den europäischen Datenschutzregeln steht. Eine Verpflichtung zum Installieren der Apps soll es laut Empfehlungen der Komission nicht geben.


Aufgerufen am 21.10.2020 um 08:44 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/corona-app-noch-ist-ueberzeugungsarbeit-noetig-87167761

Kommentare

Schlagzeilen