Demnächst neu: Ein Ministerium für Bravsein

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Standpunkt Andreas Koller

Nichts gegen einen gepflegten Marketing-Gag. Aber ist es wirklich notwendig, das biedere Wirtschaftsministerium per Gesetz in "Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort" umzutaufen? Oder, noch schlimmer: Das biedere Agrarministerium (das uns von den PR-Genies in Regierungssold jahrelang als "Lebensministerium" angedreht wurde) in "Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus"? All das steht schwarz auf weiß im Bundesministeriengesetz, das die Koalition kurz vor Weihnachten beschloss, und all das ist Unfug. "Digitalisierung" ist ein Prozess, der alle Lebensbereiche durchzieht, nicht nur das Wirtschaftsressort. "Nachhaltigkeit" ist ein modisches Wort für ein löbliches Handlungsprinzip, dessen sich alle Minister, alle Politiker und am besten überhaupt alle Menschen bedienen sollten. Und nicht bloß die Agrarministerin. Wir erwarten stündlich die Schaffung eines Solidaritätsministeriums, eines Bravseinministeriums, eines Ministeriums für das Gute und Schöne und eines Wahrheitsministeriums. Oder lieber nicht, das hat George Orwell ja schon für "1984" erfunden.

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