Innenpolitik

Denkmal zur Erinnerung an jüdische Gemeinde in Mattersburg

In Mattersburg ist am Sonntag eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde der Stadt eröffnet worden. Rund 500 Juden waren nach dem sogenannten "Anschluss" aus Mattersburg vertrieben, enteignet und zum Teil ermordet worden. Bei seiner Rede mahnte Bundespräsident Alexander Van der Bellen, "dass wir das niemals vergessen werden und dass sich das niemals wiederholen darf".

Bundespräsident Van der Bellen mahnte, die Ereignisse nie zu vergessen SN/APA (Archiv)/HANS PUNZ
Bundespräsident Van der Bellen mahnte, die Ereignisse nie zu vergessen

Es sei bedrückend, wenn man sich überlege, wie die jüdische Bevölkerung anlässlich des November-Pogroms ihrer Würde, ihres Besitzes, ihrer Rechte, ihrer Heimat und viele auch ihres Lebens beraubt wurden, so der Bundespräsident. Er zählte mehrere Namen von Menschen auf, die unter der Nazi-Zeit in Mattersburg ermordet worden waren. Sowohl bei den Opfern als auch bei den Tätern habe es sich um Österreicher gehandelt.

Das Gedenken erfolge in Verbundenheit mit den Juden von Mattersburg. Es sei "ein Versuch, ein Stück weit, ihnen ihre Würde zurückzugeben", so Van der Bellen. Dies bedeute aber auch, "jedem Ansatz" von Antisemitismus, Rassismus oder Hetze keinen Platz zu geben. Er trete für eine "Kultur des friedlichen, respektvollen Miteinanders" ein. Darin sehe er auch die Zukunft Österreichs sowie der Europäischen Union.

Die Botschafterin des Staates Israel, Talya Lador-Fresher, zeigte über die zahlreichen Besucher bei der Eröffnung erfreut. Dass die zweite, dritte Generation von Österreichern ihrer eigenen Vergangenheit nachspüre und sich ihrer historischen Mitverantwortung stelle, "ist ein sehr positives Zeichen", sagte die Botschafterin.

Es sei eine sehr herausfordernde Zeit in Europa, meinte hingegen der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. Rechte Parteien würden stärker werden. Daher sei es wichtig, mit solchen Projekten zu gedenken.

Es sei von großer Bedeutung, jungen Menschen die jüdische Geschichte und auch dunkelste Kapitel der österreichischen Vergangenheit nahezubringen, erklärte Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). "Erinnerung ist die Voraussetzung dafür, dass wir wachsam bleiben."

Die Gedenkstätte wurde am Platz der ehemaligen jüdischen Synagoge von Mattersburg errichtet. Die Synagoge war, wie auch der größte Teil des jüdischen Viertels, 1940 gesprengt worden. Das Denkmal in Form von drei Stelen und einem Torbogen war von Michael Feyer entworfen worden. Feyer hatte sich auch um die Finanzierung und die Projektleitung gekümmert. Im Anschluss an die Veranstaltung fand eine Kranzniederlegung beim Mahnmal für Roma und Sinti in Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) statt.

Quelle: APA

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