Innenpolitik

Der lange Weg hin zum PCR-Test

Die Kosten für die Gratistests aller Art belaufen sich unterdessen auf rund 1,5 Milliarden Euro.

 SN/apa

Ein Blick auf die Homepage der AGES reicht: Die vierte Welle ist eine Delta-Welle. Von den 12.667 laborbestätigten Coronafällen der vergangenen Woche entfiel nur ein einziger nicht auf die Delta-Variante.

Bis Ende Mai war es umgekehrt. Da war Delta die Ausnahme. Ab dann übernahm die ansteckendere Variante das Kommando - was die Regierung veranlasste, die Bundesländer immer eindringlicher zu bitten, mit Unterstützung des Bundes das PCR-Test-Angebot auszubauen. Außerdem verfügte der Bund erste Verschärfungen, die zum Einsatz der aussagekräftigeren Tests zwangen: Seit der letzten Juliwoche steht die Nachtgastronomie nur noch Geimpften oder PCR-Getesteten offen. Ein Proteststurm, der sich quer durch alle Bundesländer zog, war die Folge.

Heute stellt niemand mehr ernsthaft infrage, dass flächendeckende PCR-Tests ideal wären. "Würden wir alle jeden Tag PCR-testen und die Positiven heraussortieren, hätten wir keine vierte Welle", sagt Lukas Weseslindtner, Diagnostikspezialist der MedUni Wien. Dass bei den Testungen bisher stark auf Antigen gesetzt wurde, sei eine gesundheitspolitische Entscheidung gewesen, deren Sinnhaftigkeit manche Virologen anzweifeln. Aber: "Auch ein negatives PCR-Test-Ergebnis bedeutet nur, dass man an diesem Tag nicht ansteckend ist. 24 Stunden später kann das schon anders aussehen, besonders bei der Delta-Variante", sagt der Forscher.

Getestet wurde und wird in Österreich enorm viel, großteils mit den weniger verlässlichen Antigentests. Die Ausnahme bildet Wien, wo vor allem PCR-getestet wird. Die anderen Bundesländer wollen nun mit Hochdruck umstellen. Die AGES listet bisher fast 100 Millionen Gratistests auf. Nicht enthalten in dieser Zahl sind die in Apotheken und Betrieben gemachten Antigentests. Und nicht enthalten darin sind die Schultests, deren Zahl mit dem Start des laufenden Schuljahrs gewaltig in die Höhe schnellte. Nach Angaben des Bildungsressorts wurden seit September fünf Millionen PCR- und zehn Millionen Antigentests durchgeführt. Im vergangenen, von Lockdowns geprägten Schuljahr waren es in Summe keine 40 Millionen (nur Antigen).

Letztlich zahlt sämtliche Tests der Bund. Unterdessen habe man um die 1,5 Milliarden Euro für Gratistests aller Art ausgegeben, heißt es im Gesundheitsministerium. Eingestellt wurde (Ende Oktober) bisher nur die Finanzierung der Gratis-Wohnzimmertests, die man sich gegen Vorlage der E-Card in Fünfer- oder Zehnerpacks in der Apotheke abholen konnte. Gekostet hat allein diese Aktion rund 360 Millionen Euro.

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