Innenpolitik

Deutschförderklassen im Ministerrat beschlossen

Der Ministerrat hat am Mittwoch eine Punktation zu Deutschförderklassen für Schüler mit fehlenden Sprachkenntnissen beschlossen. Gelten soll diese Maßnahme ab kommendem Schuljahr, und zwar verpflichtend mit 15 (Volksschule) bzw. 20 (Neue Mittelschule/AHS-Unterstufe) Wochenstunden. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sprach im Pressefoyer von einem "durchdachten und ausgewogenen Konzept".

Bildungsminister Faßmann wehrt sich gegen Begriff "Ghettoschulen" SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Bildungsminister Faßmann wehrt sich gegen Begriff "Ghettoschulen"

Hier den Begriff "Ghettoschulen" zu verwenden, sei nicht zutreffend, so der Minister, denn der Unterricht finde nicht irgendwo, sondern in den jeweiligen Schulen statt. Man wolle den getrennten Deutschunterricht semesterweise installieren und so kurz wie möglich halten. Ziel sei der möglichst rasche Umstieg in den Regelunterricht. Faßmann verwies auch auf Beispiele anderer Länder (Deutschland, Kanada), in denen bereits so vorgegangen werde.

Schützenhilfe erhielt er von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ). "Die Praxis hat jede ideologische Debatte überholt", verwies sie auf den großen Flüchtlingszustrom nach Österreich ab dem Jahr 2015. Es gebe eine "praktische Notwendigkeit" für die Klassen, auch weil sich das Deutschniveau der neu Zugewanderten seit den 1980er-Jahren verschlechtert habe. Kneissl machte dafür die starke Verbreitung von Satelliten-TV aus den Herkunftsländern verantwortlich.

Vor dem Ministerrat hatte sich auch Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hoch erfreut über den Beschluss gezeigt. Mit "Deutsch vor Schule" werde ein Wahlversprechen der FPÖ auf den Weg gebracht. Man folge dem Beispiel Finnlands, wo dies erfolgreich funktioniere. Den Kindern bringe dies bessere Bildungs- und Berufschancen. Auch Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) ortete einen Meilenstein.

Durch das neue Modell sollen zunächst alle Kinder, denen bei der Schuleinschreibung Deutschmängel attestiert werden, einem einheitlichen standardisierten Test unterzogen werden. Ergibt dieser, dass dem Unterricht nicht ausreichend gefolgt werden kann, wird das Kind als sogenannter außerordentlicher Schüler eingestuft und kommt in eine eigene Deutschförderklasse. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder dann aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt.

Nach jedem Semester soll dann nach einem österreichweit einheitlichen Test überprüft werden, ob die Kinder dem Regelunterricht mittlerweile ausreichend folgen können. Ist dies der Fall, können sie unmittelbar in die Regelklassen wechseln. Ansonsten bleiben sie maximal vier Semester in der Deutschförderklasse. Nach dem Wechsel in die Regelklasse erhalten sie außerdem noch sechs Stunden pro Woche parallel zum Unterricht Förderung in einem Deutschförderkurs. Flankierend werden Deutschkenntnisse explizit als Schulreifekriterium verankert.

Schüler, die nach der erfolgreichen Absolvierung einer Deutschförderklasse in den Regelunterricht wechseln, sollen aber künftig nicht wie bisher automatisch, sondern nur mehr "in begründeten Fällen bzw. Ausnahmen" in die nächste Schulstufe aufsteigen dürfen. "Dadurch sollen das Auf- und Nachholen des in den Lehrplänen vorgesehenen Lernstoffes und ein entsprechender Lernfortschritt sichergestellt werden", heißt es weiter. Wer also etwa in der ersten Schulstufe eine Deutschförderklasse erfolgreich absolviert, steigt anschließend nicht in die zweite Klasse auf, sondern muss zunächst das reguläre erste Schuljahr wiederholen.

Die Lehrergewerkschaft hält das von Bildungsminister Heinz Faßmann vorgelegte Konzept für "grundvernünftig". Dieses enthalte einen "vernünftigen Mix aus sozialer Integration und sinnvoller Differenzierung", so der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, Herbert Weiß, in einer Aussendung.

"Viel zu lange wurde das Problem der sprachlichen Integration von den bildungspolitischen Verantwortungsträgern vernachlässigt und die Lehrerinnen und Lehrer sehr oft alleingelassen", meinte der Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft und der ARGE Lehrer/innen in der GÖD, Paul Kimberger. Vorschusslorbeeren gab es für den neuen Minister: Dieser zeige "gleich zu Beginn seiner Amtszeit Realitätssinn und Verständnis für pädagogische Notwendigkeiten".

Quelle: APA

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