Innenpolitik

Die neu berechnete Matura

Lokalaugenschein an einem Wiener Gymnasium bei erstaunlich coolen Mathematik-Maturanten. Kürzere Texte, anspruchsvolle Aufgaben und ein Absturz wegen einer viel zu hohen Zahl.

Die Zentralmatura läuft noch bis kommende Woche.  SN/apa
Die Zentralmatura läuft noch bis kommende Woche.

Bei der Zentralmatura hat das Goethe-Gymnasium in der Astgasse in Wien-Penzing immer klar besser abgeschnitten als der Schnitt der österreichischen und der Schnitt der Wiener Schulen. Im Vorjahr, als die Mathematik-Matura für viele Schüler zum unlösbaren Texträtsel wurde und österreichweit 22 Prozent der AHS-Maturanten bei der schriftlichen Mathe-Zentralmatura durchfielen, erwischte es im Goethe-Gymnasium aber auch 17 Prozent der Schüler. Wie lief es heuer bei der vom Ministerium überarbeiteten Mathematik-Matura?

Die standardisierte Mathematik-Matura sollte heuer - wie Bildungsminister Heinz Faßmann im Vorfeld verkündet hatte - nicht einfacher werden. Die Textbeispiele sollten aber verständlicher sein, hieß es. Außerdem wurde an den AHS die Zeiteinteilung der aus zwei getrennten Blöcken bestehenden Matura gelockert. Bisher musste der zweistündige Grundlagenteil mit einfacheren Aufgaben erst abgegeben werden, bevor anschließend der zweieinhalbstündige zweite Teil mit anspruchsvolleren Aufgaben gelöst werden durfte. Diesmal konnten beide Aufgabenteile über die vollen viereinhalb Stunden bearbeitet werden. Auch der Bewertungsschlüssel wurde modifiziert.

Die SN sprachen mit nach viereinhalb Stunden Stress erstaunlich entspannten und coolen Schülern am Goethe-Gymnasium, die sich einig waren, dass der Minister mit einer "nicht einfacheren" Matura nicht zu viel versprochen hatte.     "Es war anders. Es waren einige Texte ein bisschen kürzer. An der Schwierigkeit hat sich für mich nichts geändert", sagte etwa Christoph Svoboda den SN. "Einige Beispiele waren nur mit Trial and Error lösbar." Es habe sehr wenig über Formeln zu rechnen gegeben. "Man musste sich wirklich auskennen und teilweise sehr kreativ sein." Das geänderte Zeitmanagement fand Christoph sehr gut: "Man kann zuerst Teil 1 machen, dann kurz abschalten, dann kann man noch mal zurückgehen zu Teil 1 und das mit einem frischen Kopf kontrollieren."

Der Grundlagenteil der Matura sei "sehr machbar" gewesen, resümierte Andrea Brauneis. Im anspruchsvolleren B-Teil habe man bei sehr vielen Aufgaben "um die Ecke denken" müssen. Wenn man einen Ansatz nicht richtig gehabt habe, sei man dann nicht weitergekommen. Für viele in der Klasse sei Mathematik ein Angstfach. "Bei mir selbst nicht. Ich bin normalerweise schon gut in Mathematik." Viele ihrer Mitschüler hätten Nachhilfe gebraucht - "lange, sehr viel und um viel Geld". Und zumindest in den Hauptfächern habe es im Vorfeld wohl auch etwas zu viel "learning to the test" gegeben.

"Ich habe länger gebraucht, als ich dachte, ich fand die Matura ein bisschen schwieriger. Teil 1 fand ich aber eigentlich sehr nett", sagt Selina Loibner. Sie ist eine gute Schülerin, vor allem in Mathematik. Auch sie hatte "ein bisschen Angst um meine Klassenkollegen". Weil Mathematik das Problemfach in der Klasse gewesen sei, da nach zu vielen Lehrerwechseln in der Unterstufe ein wenig die Grundlagen gefehlt hätten und die Klasse in den letzten Jahren hatte aufholen müssen. Dass diesmal wieder ein Klassenlehrer anwesend sein durfte, habe es nicht leichter gemacht. Es sei aber immer gut, wenn jemand da sei, der sich mit der Software GeoGebra auskennt - falls der Computer abstürze.

Der Computerabsturz ist am Goethe-Gymnasium - und auch an anderen Schulen - bei einer der Grundkompetenz-Aufgaben bei allen Schülern passiert, weil eine Zahl in der Angabe für eine Bearbeitung mit der Software einfach zu hoch gewesen ist. Das Beispiel wurde dann ohne Computer gerechnet.

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