Innenpolitik

Die Reaktion auf Omikron

Sehr viele Menschen gleichzeitig könnten sich durch die hoch ansteckende Variante infizieren. Politik und Fachleute ändern die Strategie. In puncto Quarantäne, Maskenpflicht und Kontrollen gelten neue Regeln. 13 Antworten vom Omikron-Gipfel.

Die GECKO-Doppelspitze, Katharina Reich (l.) und Rudolf Striedinger (r.), stellte mit Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) die neue Strategie vor.  SN/apa
Die GECKO-Doppelspitze, Katharina Reich (l.) und Rudolf Striedinger (r.), stellte mit Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) die neue Strategie vor.

Die fünfte Welle nimmt immer mehr an Fahrt auf. "Unser Land ist in einer sehr ernsten und herausfordernden Situation. Das Virus ist omnipräsent und besonders gefährlich, weil es sich immer wieder verändert", sagte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) nach dem Omikron-Gipfel am Dreikönigstag. Mittlerweile ist die Virusvariante Omikron vorherrschend. Sie zwingt zum Umdenken und verlangt neue Strategien.

Wie verhindert man einen weiteren Lockdown für alle? Wie kann man die Versorgung aufrechterhalten? Darüber beriet die Bundesregierung am Feiertag gemeinsam mit den Spitzen der gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination GECKO, Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, sowie Generalmajor Rudolf Striedinger. Die Landeshauptleute waren per Video zugeschaltet.

1. Was sind die großen Ziele?

Kein weiterer Lockdown für alle, eine niedrige Hospitalisierungsrate und die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur.

2. Welche Maßnahmen kommen neu auf uns zu?

Die Schutzmaßnahmen werden ab 11. Jänner strenger - es wird sogar eine Maskenpflicht im Freien kommen. Außerdem werden Kontrollen und Strafen verschärft und die Quarantäneregeln gelockert.

3. Wie sehen die neuen Quarantäneregeln aus?

Ab 8. Jänner gilt: Zum Schutz der kritischen Infrastruktur und als Anreiz zum Impfen werden die Quarantäneregeln lockerer. Wer drei Mal immunisiert ist, zählt ab dann nicht mehr als Kontaktperson. Das ist auch der Fall, wenn alle Beteiligten eine FFP2-Maske getragen haben, und gilt auch für Kinder, die noch nicht boostern können. Künftig wird auch nicht mehr zwischen K1 und K2 unterschieden.

4. Wer kontrolliert all das?

Ein neues Kontrollpaket sieht ab 11. Jänner eine Kontrollpflicht im Handel vor. Am Eingang, aber spätestens beim Bezahlen soll der Grüne Pass kontrolliert werden. Betriebe, die sich nicht an diese Vorgabe halten, werden gesperrt, drohte der Bundeskanzler. Für nächste Woche kündigte er eine "Aktion scharf" an.

5. Was ändert sich bei Grünem Pass und Maskenpflicht?

Als Motivation, sich die dritte Impfung zu holen, gilt der Grüne Pass ab 1. Februar nur mehr für sechs Monate. Die FFP2-Maske soll auch im Freien getragen werden, wenn Abstandhalten nicht möglich ist - etwa in Warteschlangen, Fußgängerzonen oder an Bushaltestellen. Die Bundesländer können zusätzlich an stark frequentierten Plätzen eine generelle Maskenpflicht verordnen.

Korrekt getragene FFP2-Masken reduzieren laut der Schweizer wissenschaftlichen Taskforce das Ansteckungsrisiko um das 70-Fache.

6.Wie gefährlich ist Omikron?

Dem Masketragen kommt auch deshalb eine größere Bedeutung zu, weil die Infektiosität der neuen Variante enorm ist. Dass sich Omikron rascher verbreitet, liegt vermutlich daran, dass es sich vor allem im oberen Atemwegstrakt vermehrt statt in der tiefen Lunge.

"Wir müssen uns auf eine neue Situation einstellen. Die Infektionszahlen werden sprunghaft ansteigen", sagt Nehammer. Selbst von Rekordzahlen mit mehr als 20.000 Infektionen pro Tag ist bereits die Rede. "Das ist erdrückend, aber es gibt auch gute Nachrichten."

7. Was sind die guten Nachrichten?

Omikron verläuft anders als Delta. Durch Impfen kann man sich gut schützen. Die Auffrischungsimpfung reduziert das Risiko symptomatisch zu erkranken um 70 Prozent, das Risiko auf der Intensivstation zu landen ist um 90 Prozent verringert.

8. Was wissen wir noch über die neue Virusvariante?

"Fest steht, dass Omikron ein deutlich höheres Infektionsrisiko mit sich bringt, die Verläufe bei Geimpften aber deutlich milder sind", bekräftigte die GECKO.

Bei Delta ist einer von vier Patienten auf die Intensivstation verlegt worden. Bei Omikron trifft das nur einen von zehn. Und statt 20 Prozent würden nach momentanem Wissensstand nur zwei Prozent ein Beatmungsgerät benötigen. Aber das sei keine Entwarnung. Denn die kritische Infrastruktur könnte bei so hohen Ansteckungszahlen zusammenbrechen.

9. Was zählt zur kritischen Infrastruktur?

Besonders heikel ist der drohende Personalmangel im Gesundheitswesen sowie in der Lebensmittel- und Energieversorgung.

Normalerweise handle es sich bei der kritischen Infrastruktur um einen beschränkten Bereich, der das öffentliche Leben aufrechterhält. Nun weitete man den Begriff aus: Auch das Bildungswesen zählt dazu. Keinesfalls sollen Klassen und Kindergartengruppen wegen Personalmangels geschlossen werden.

10. Apropos Bildung: Wie geht es in den Schulen weiter?

Der neue Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) hält am Credo seines Vorgängers fest: Die Schulen bleiben offen. Sie starten am Montag mit Präsenzunterricht. Von den drei wöchentlichen Tests muss mindestens einer ein aussagekräftigerer PCR-Test sein, die übrigen Antigen-Schnelltests. In Wien, Niederösterreich und Oberösterreich gab es schon vor den Ferien zwei PCR-Tests pro Woche. Nun würden, so Mückstein, jedem Schüler, jeder Schülerin österreichweit zwei PCR-Tests pro Woche angeboten. Ohnehin ist das im Stufenplan des Bildungsministeriums seit November vorgesehen. Weiterhin gilt in allen Altersgruppen eine Maskenpflicht. Mit einer Informationskampagne soll außerdem die Impfquote unter Schülern gesteigert werden.

11. Ändert Omikron etwas
an der Impfpflicht?

Die Impfpflicht sei unabdingbar. "Auch bei Omikron schützt und nützt Impfen", sagt Nehammer und gibt sich verbindend: "Es muss unser gemeinsames Ziel sein, aus der Die-einen-gegen-die-anderen-Diskussion herauszukommen."

12. Was bleibt gleich?

Die allseits bekannten Maßnahmen: Abstand halten, Hände waschen und FFP2-Maske tragen. Wer kann, soll im Homeoffice arbeiten. Auch die Sperrstunde in der Gastronomie um 22 Uhr besteht weiterhin.

13. Wie wird sich das Infektionsgeschehen entwickeln?

Omikron ist inzwischen die dominante Mutation. Wie prognostiziert steigen die Ansteckungszahlen rasant. Am Mittwoch wurden bereits fast 10.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet - eine Zunahme von mehr als 77 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit, spricht von einer "Entkoppelung von Infektion und Hospitalisierung". Die Experten erwarten 30 bis 50 Prozent weniger Krankenhausaufnahmen. Man müsse durch die hohe Fallzahl trotzdem genau auf die Bettenkapazität achten, betont GECKO-General Rudolf Striedinger. Er erläutert Pläne zur Bettenaufstockung. Man könne Reha-Zentren heranziehen und im Katastrophenfall die Sanitätseinrichtungen des Militärs nutzen. Der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner kündigte ein Notversorgungszentrum mit 200 Betten in der Messe Dornbirn an.

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