Innenpolitik

Die reifen Männer im ÖGB werden nicht müde

Während die Beamtenwelt in den kommenden Tagen gebannt an den Lippen von Fritz Neugebauer hängt, ob er mit 71 erneut als Vorsitzender der Gewerkschaft öffentlicher Dienst kandidiert, wird auch im roten Gewerkschaftsreich dezent die Zukunft geplant. Eines steht dabei fest: an allzu viele neue Namen wird man sich nicht gewöhnen müssen. Selbst noch eine Periode von ÖGB- und AK-Chef könnten anstehen.

Die reifen Männer im ÖGB werden nicht müde SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Foglar könnte doch noch weitermachen.

Lange galt es fix, dass ÖGB-Präsident Erich Foglar mit dem 2018 anstehenden Bundeskongress sein Amt niederlegt. Der demnächst 61-Jährige hatte sich ja auch eindeutig festgelegt, dass seine zweite Amtsperiode seine letzte sein wird. Nunmehr hört man aus hohen Gewerkschaftskreisen, dass es sich Foglar doch noch einmal überlegen könnte. Eine Entscheidung dürfte tatsächlich noch nicht gefallen sein.

Macht Foglar tatsächlich weiter, würde er dem Gewerkschaftsbund eine zähe interne Übernahmeschlacht ersparen. Denn es bietet sich für die Nachfolge des Metallers derzeit keine logische Lösung an. Ambitionen und realistische Chancen werden derzeit zwei Kandidaten nachgesagt, Eisenbahn-Gewerkschafter Roman Hebenstreit aus der vida und dem Chef der Bau/Holz-Gewerkschaft Beppo Muchitsch.

Freilich ist der ebenso selbstbewusste wie volksnahe Muchitsch etlichen, vor allem der Privatangestellten-Gewerkschaft, ein Dorn im Auge, und der eloquente und ehrgeizige Hebenstreit hat es bisher nicht einmal in der vida an die Spitze geschafft. Sowohl der 49-jährige Muchitsch als auch der 45-jährige Hebenstreit würden jedenfalls einen Generationensprung darstellen. Aus der selben Generation kommt der 51-jährige Leitende ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz, dem der Posten des Präsidenten (als Kompromiss-Kandidat) durchaus zugetraut würde.

Das Problem für Achitz ist, dass er der Zentrale und keiner der Einzelgewerkschaften zugerechnet wird und letztlich machen diese traditionell Personalpakete aus, die eine Machtbalance sicherstellen sollen. Derzeit sieht es so aus: die ehemaligen Metaller, die pro-ge, verfügt über das Amt des ÖGB-Präsidenten sowie über jenes des Obmanns der Pensionsversicherungsanstalt. Die GPA als größte Einzelgewerkschaft stellt mit Wolfgang Katzian den zentralen Posten des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Gewerkschafter und die "vida" ist über Rudolf Kaske mit dem Amt des Arbeiterkammer-Präsidenten versorgt.

Apropos: Auch bei Kaske war es lange ausgemachte Sache, dass dieser 2019 nicht noch einmal zur AK-Wahl als Spitzenkandidat antritt. Der ehemalige vida-Chef wird dann 64 sein. Fragt man ihn jetzt über eine allfällige weitere Kandidatur, hört man bloß, dass diese noch nicht entschieden sei. Sollte Kaske es doch bleiben lassen, was viele glauben, und sich in den politischen Ruhestand zurückziehen, werden dem Vorsitzenden der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft Christian Meidlinger die besten Nachfolge-Chancen eingeräumt, auch wenn ein Beamter an der Spitze der größten Arbeitnehmer-Organisation nicht allen gefallen würde.

Bereits fix deklariert haben sich bezüglich ihrer gewerkschaftlichen Zukunft die bewährten Chefs der beiden größten Player im ÖGB. Wolfgang Katzian, demnächst 60, wird sowohl als Vorsitzender der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter als auch aller Voraussicht nach als GPA-Vorsitzender weitermachen. Seine wahrscheinliche Nachfolgerin Barbara Teiber wird sich damit wohl noch ein wenig gedulden müssen, zur ersten weiblichen Gewerkschaftschefin aufzusteigen. Keine Lust auf Ruhestand hat auch pro-ge-Chef Rainer Wimmer. Der 61-Jährige bestätigte jüngst der APA, eine weitere Amtszeit an der Spitze der größten Arbeitergewerkschaft anzustreben. Auch für ein Mandat im Nationalrat wäre er weiter zu haben.

Freilich sind Katzian und Wimmer ohnehin Jungspunde, vergleicht man sie mit Neugebauer. Der wird am 10. Oktober 72 und an diesem Tag beginnt auch der Bundeskongress der Gewerkschaft öffentlicher Dienst. Erst da will der Dinosaurier unter den Gewerkschaftsbossen kundtun, ob er es noch einmal wissen will. Seine Gefolgschaft würde es sich jedenfalls von ganzem Herzen wünschen, ist der Eindruck, wenn man sich in der GÖD umhört.

Quelle: APA

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