Innenpolitik

Die Renaissance der politischen Rede

Große Ansprachen sind wieder in Mode gekommen. Die Politik scheint damit einer geheimen Sehnsucht der Menschen Rechnung zu tragen.

Der athenische Staatsmann Perikles gilt als einer der besten Redner der Geschichte. SN/www.picturedesk.com
Der athenische Staatsmann Perikles gilt als einer der besten Redner der Geschichte.

Perikles, Cato, Demosthenes: Was hält ein Wissenschafter, der sich mit den größten Rednern der Geschichte befasst, von heutigen Politikerreden? Die SN sprachen mit dem Salzburger Rhetorik-Professor Thomas Schirren.

Was unterscheidet politische Reden in der Antike und heute?
Schirren: Die öffentliche Rede, also die politische und die Gerichtsrede, hatte in der Antike ein sehr hohes Niveau. Wer öffentlich auftrat, orientierte sich an den Regeln der klassischen Rhetorik. Das heißt, er konnte nicht sprechen wie der Mann auf der Straße, sondern hatte eine ganz bestimmte Technik anzuwenden. Und das Publikum war auf diesen speziellen Stil geeicht.
Woher wissen wir denn, wie damals geredet wurde?
Viele klassische Reden wurden anschließend publiziert. Diese schriftlich ausgefeilten Reden sind Monumente sprachlicher Perfektion. Was wir nicht wissen, ist, wie das im mündlichen Vortrag gewirkt hat. Aber von Perikles hieß es, wenn er in der Volksversammlung sprach, habe es "geblitzt und gedonnert". Er wurde in seiner Redegewalt also mit Zeus verglichen. Perikles verstand es, allein mit dem Wort den Staat Athen zu lenken.

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