Innenpolitik

"Die wollen gar nicht, dass wir wählen"

Vergebliches Anstellen im Regen bis zum Umfallen. Hunderte rumänische Wahlberechtigte versuchten in Wien vergeblich, ihre Stimme abzugeben.

Hunderte Auslandsrumänen drängten sich am Sonntagabend kurz vor Wahlschluss vor der rumänischen Vertretung bei den internationalen Organisationen in der Wiener Innenstadt. Für viele der Wahlberechtigten gab es keine Chance mehr, ihre Stimme für die Europawahl abzugeben. Eine Frau berichtete, sich fast sieben Stunden angestellt zu haben, um ihre Stimme abzugeben. Bei zwischenzeitigen Regengüssen drängten sich die Wahlwilligen bis in den fünften Stock des Gebäudes, um nicht nass zu werden und in der Folge im zweiten Stock ihre Stimme abzugeben.

"Die von der Regierung wissen, dass die Rumänen im Ausland kritisch eingestellt sind und anders wählen", sagte ein Mann in der Schlange zu den SN. "Die wollen gar nicht, dass wir wählen." In Rumänien regieren die Sozialdemokraten, PSD, einst als Nachfolgepartei der Kommunisten gegründet. Schon bei der Präsidentschaftswahl 2014 sei es genauso gewesen, sagen mehrere der Wartenden, die sich schon damals vergeblich stundenlang angestellt hatten.

"Es ist wie im Jahr 2014. Die rumänische Regierung nutzt billige, aber sehr effektive Methoden, um die Stimmen der rumänischen Diaspora, die nicht an die Regierungspartei gingen, gering zu halten", sagt eine Frau nach stundenlangen Anstellen vor der Botschaft zu den SN.

Das Problem ist tatsächlich nicht neu: 2014 hatten in zahlreichen europäischen Städten Tausende rumänische Wahlberechtigte protestiert, die vergeblich versucht hatten, ihre Stimme abzugeben.

Aufgerufen am 27.09.2020 um 01:44 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/die-wollen-gar-nicht-dass-wir-waehlen-70848268

Schlagzeilen