Innenpolitik

E-Medikation - Apotheker auch ohne Ärzte bereit

Nach dem Ausstieg der Ärzte aus dem Pilotversuch in der Steiermark wittern die Apotheker nun Morgenluft bei der E-Medikation. Unter bestimmten Rahmenbedingungen könne man diese auch alleine durchführen, ließ Apotherkerkammer-Präsident Max Wellan am Mittwoch per Aussendung wissen. Ähnliches hatte zuvor Patientenanwalt Gerald Bachinger in den Raum gestellt.

E-Medikation - Apotheker auch ohne Ärzte bereit SN/APA/BARBARA GINDL
Apotheker hätten beträchtlichen Mehraufwand.

Eine Umsetzung der E-Medikation in der Apotheke ohne technische Einbindung der Ärzte erfordere neue Rahmenbedingungen, betonte Wellan. So sei der Mehraufwand für die Apotheken beträchtlich und müsste abgegolten werden.

Die Patienten gelte es zur Mitnahme der E-Card in die Apotheken zu animieren, weil diese der Schlüssel zur E-Medikation sei. Außerdem brauche es die Unterstützung der Krankenkassen beim Projekt Medikationsmanagement, einem umfassenden Beratungsangebot für Patienten mit Polymedikation, so der Apothekerkammerchef.

Die Idee einer Umsetzung ohne Ärzte hatte Dienstagabend Patientenanwalt Bachinger angeregt. In der "Zeit im Bild" des ORF meinte er, dass das ursprüngliche Modell auch ohne Ärzte bzw. deren Kammer ausgekommen sei. "Nur dann müssen sich die Hausärzte eigentlich bei ihrer Standesvertretung herzlich bedanken, weil das wird zu einer weiteren Abwertung der Hausärzte führen", meinte er.

Die Ärzte waren vergangene Woche aus dem Pilotversuch im steirischen Bezirk Deutschlandsberg ausgestiegen. Das Projekt sei unausgereift, es gebe technische Probleme, und auch Finanzierungsfragen seien noch offen, hieß es seitens der Ärztekammer. Man habe kein Vertrauen mehr in den Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Dieser konterte, der Grund für die Blockade liege "einzig und allein in der Frage der Finanzierung". Das Gesundheitsministerium rief zur Besonnenheit auf und stellte sich auf die Seite der Ärzte.

Trotz des Krachs um die E-Medikation in der Steiermark arbeitet der Hauptverband der Sozialversicherungsträger an einer Wiederannäherung. Man versuche, die Gesprächsbasis wiederzufinden und wolle das Projekt weiter mit Ärzten und Apothekern umsetzen, hieß es auf APA-Anfrage am Mittwoch.

In der steirischen Ärztekammer sieht man die Lage unverändert. Mittlerweile habe sich der Eindruck verfestigt, dass es bei mehreren Ärzten Kompatibilitätsprobleme der von der Sozialversicherung gestellten E-Medikations-Applikation mit der jeweiligen Ordinationssoftware gebe, so ein Sprecher. Diese gelte es zu lösen, denn die als Notlösung zur Verfügung stehende Web-Applikation sei zu langsam.

Der Appell der Ärztekammer: Die SVC, die hier zuständige E-Card-Gesellschaft der Sozialversicherung, möge eine ausgereifte Software zur Verfügung stellen und mit den Anbietern von Ordinationssoftware testen. Erst wenn dies funktioniere, sollten die Ärzte damit arbeiten. Über einen möglichen Zeitpunkt dafür wollte man in der Ärztekammer nicht spekulieren.

Bei der E-Medikation geht es um eine Datenbank, in der für jeden Patienten die vom Arzt verordneten bzw. von Apotheken abgegebenen Medikamente gespeichert werden. Sie ist Teil der elektronischen Gesundheitsakte ELGA (http://www.gesundheit.gv.at), über die Patienten Einblick in ihre Befunde und ihre Medikamentenliste bekommen. Ziel ist es, unbeabsichtigte Wechselwirkungen und Mehrfachverschreibungen zu verhindern.

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.12.2018 um 05:57 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/e-medikation-apotheker-auch-ohne-aerzte-bereit-1002565

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